Container-Umschlag am Hamburger Hafen | dpa

Trotz Materialmangels Mehr Exporte als vor der Corona-Krise

Stand: 09.08.2021 09:55 Uhr

Auch Materialengpässe können Deutschlands Exportboom nicht aufhalten. Im Juni wuchsen die Ausfuhren deutlich stärker als erwartet und übertrafen erstmals das Vorkrisenniveau.

Wegen der anziehenden Nachfrage aus der EU und Übersee sind die deutschen Exporte im Juni um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 118,7 Milliarden Euro gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Deutschlands Exporteure verbuchten damit bereits den 14. Monat in Serie einen Zuwachs der Ausfuhren. Experten hatten für Juni im Schnitt nur einen leichten Zuwachs von 0,3 Prozent erwartet. Im Mai hatte das Plus noch bei 0,4 Prozent gelegen.

Die Einfuhren legten ebenfalls zu, um 0,6 Prozent gegenüber Mai auf 102,4 Milliarden Euro. Damit lagen die Exporte um 1,1 Prozent und die Importe sogar 10,0 Prozent höher als im Februar 2020, also kurz vor Beginn der Corona-Einschränkungen.

Starke Nachfrage aus den USA

In andere EU-Staaten exportierten Deutschlands Unternehmen im Juni Waren im Wert von 64,5 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 26,1 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Ausfuhren nach China nahmen um 16 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zu - die in die USA wuchsen um 39,8 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte jüngst seine Exportprognose wegen der Erholung der Weltwirtschaft erhöht. Deutsche Firmen dürften demnach 2021 acht Prozent mehr ausführen.

Lieferengpässe bremsen auch Exporte

Die anhaltenden Probleme in den Lieferketten könnten sich aber in den kommenden Monaten deutlicher in den Exportdaten niederschlagen, warnen Ökonomen.

"Die heutigen guten Daten zeigen, dass die Spannungen in der Lieferkette die deutschen Exporte noch nicht beeinträchtigt haben", kommentierte Volkswirt Carsten Brzeski von der ING. "Zwar sind die Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt. Doch könnten die Spannungen in der Lieferkette, insbesondere der Mangel an Mikrochips, in den kommenden Monaten zu weiteren Lieferproblemen in Schlüsselsektoren wie der Autoindustrie und damit zu einer gewissen Verzerrung der Exportdaten führen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2021 um 12:26 Uhr.