Ein Arbeiter reinigt ein Exzenterrad | dpa

Hohe Nachfrage Auslandsaufträge stützen Industrie

Stand: 05.03.2021 12:55 Uhr

Die hohe Nachfrage aus dem Ausland erweist sich für die deutsche Industrie als wichtiger Pfeiler des Aufschwungs. Andere Branchen haben aber weniger Grund zur Freude.   

Die Industrieaufträge sind im Januar gegenüber dem Vormonat überraschend deutlich um 1,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. In einer Umfrage unter Ökonomen durch die Nachrichtenagentur Reuters hatten die befragten Experten zuletzt nur mit einem halb so starken Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet.

Wie die Daten des Ministeriums zeigen, hat die Auslandsnachfrage mit einem Plus von 4,2 Prozent den Ausschlag für den Anstieg gegeben. Die Aufträge aus dem Inland seien hingegen um 2,6 Prozent zurückgegangen. Stark präsentierte sich der Kfz-Bereich, der um 2,3 Prozent anstieg. Der Maschinenbau freut sich über ein Plus von 3,4 Prozent.

Dienstleister und Einzelhandel leiden

"Die Auftragseingänge zeigen einmal mehr, wie stark die deutsche Volkswirtschaft derzeit von der Auslandsnachfrage gestützt wird. Die exportstarke deutsche Industrie ist derzeit ein Segen", kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. "Anders als der Einzelhandel kann die Industrie erst einmal von der Sorgenliste gestrichen bleiben", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger.

Im Januar war der Umsatz im Einzelhandel um 3,9 Prozent niedriger als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt jüngst mitgeteilt hatte. Der Onlinehandel kann die Folgen der geschlossenen Geschäfte also nicht ausgleichen.

Gitzel unterstrich, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal wohl einen Rückschlag werde hinnehmen müssen: "Die Verluste im Dienstleistungssektor stehen fest. Es geht letztlich darum, wie hoch die Kompensation der Industrie ausfällt."

Starkes Wachstum in China und USA

Commerzbank-Experten rechnen für das erste Quartal mit einem Rückgang des BIP von 1,8 Prozent zum Vorquartal. Ende 2020 hatte es noch ein Wachstum von 0,3 Prozent gegeben.

Das Bundeswirtschaftsministerium geht aktuell von einem Wachstum im Jahr 2021 von drei Prozent aus. Die Entwicklung hänge maßgeblich davon ab, wie schnell das im Winter angestiegene Infektionsgeschehen wieder eingedämmt werden könne, heiß es. Klar sei, dass es ohne wirkliche Eindämmung der Corona-Pandemie keine nachhaltige wirtschaftliche Erholung geben könne.

Deutschlands wichtigstem Handelspartner China trauen Experten in diesem Jahr ein Wachstum von 8,5 Prozent zu. Den USA wird ein Plus von etwa 6,5 Prozent vorausgesagt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2021 um 12:45 Uhr.