Eine Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen. | dpa

Deutsche Industrie Prall gefüllte Auftragsbücher

Stand: 04.02.2022 10:47 Uhr

Die deutsche Industrie hat vor der Jahreswende unerwartet viele Aufträge an Land gezogen. Die Auftragsbücher sind so voll wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch nicht alles können die Betriebe wie gewohnt abarbeiten.

Die deutsche Industrie ist mit einem kräftigen Auftragsplus in das neue Jahr gestartet. Die Unternehmen sammelten im vergangenen Dezember 2,8 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bereits im November hatte sich die Auftragslage nach zuvor schlechten Daten erholt.

"Nach einem deutlichen Rückgang im Oktober haben sich die Auftragseingänge nun zweimal in Folge erholt und liegen weiterhin deutlich über Vorkrisenniveau", teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Im gesamten Jahr 2021 lagen die Bestellungen um 9,3 Prozent höher als im Vor-Corona-Jahr 2019 und legten auch gegenüber dem Krisenjahr 2020 um 17,8 Prozent zu.

Hohe Nachfrage aus dem Inland

"Für die Industrie war das Jahr 2021 damit ein sehr zufriedenstellendes - trotz aller bestehender Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen", so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Die Auftragsbücher sind also gut gefüllt und sichern die Produktion weit in das laufende Jahr hinein."

Getrieben wurde der Anstieg vor allem durch die hohe Nachfrage im Inland: Die Auftragseingänge aus der Bundesrepublik stiegen um 11,7 Prozent. Diese zeigt laut Experten, dass sich die Unternehmen hierzulande auf einen Aufschwung einstellen. Viele Wirtschaftsvertreter dringen auf ein Ende von Corona-Beschränkungen, um diesen nicht abzuwürgen. Die Aufträge aus dem übrigen Euroraum verzeichneten dagegen ein Minus von 4,2 Prozent, nach einem deutlichen Plus im Vormonat.

Lieferengpässe bremsen weiter die Produktion

Laut Commerzbank Chefvolkswirt Jörg Krämer sind die Auftragsbücher der Industrie zwar so prall gefüllt wie noch nie seit Anfang der 1960er-Jahre, allerdings könnten viele Unternehmen in Deutschland die Aufträge nicht im gewohnten Tempo abarbeiten. Denn noch immer dämpfen Lieferengpässe und Materialmangel die Produktion "Jetzt kommt es darauf an, dass sich die Lieferengpässe entspannen, um eine Erholung der Industrieproduktion zu ermöglichen", so Krämer.

Allerdings entspannt sich die Situation nach Angaben des ifo-Instituts derzeit: Rund 67 Prozent der Unternehmen berichteten im Januar noch von Problemen bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten, nach 82 Prozent Vormonat. Für eine Entwarnung sei es indes noch viel zu früh, meint Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen: "Die Industrieproduktion wird zumindest über weite Strecken dieses Jahres noch deutlich unter ihrem normalen Niveau verharren."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2022 um 10:00 Uhr.