An einem Bauzaun einer Baustelle hängt ein Banner mit der Aufschrift "Wir stellen ein!" (Archivbild vom 03.06.2020) | dpa

IAB-Prognose Arbeitslosigkeit dürfte 2021 sinken

Stand: 25.03.2021 14:24 Uhr

Trotz der anhaltenden Corona-Krise rechnet das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr mit sinkenden Arbeitslosenzahlen. Je nach Branche fällt die Prognose aber sehr unterschiedlich aus.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird laut der aktuellen Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in diesem Jahr um 110.000 auf rund 2,59 Millionen zurückgehen. Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenzahl bei 2,70 Millionen, 2019 waren im Durchschnitt 2,27 Menschen arbeitslos gemeldet. "Die Arbeitsmarktentwicklung zeigt sich im zweiten Lockdown sehr robust und verbessert sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung", erklärten die Experten des IAB.

"Es hätte schlimmer kommen können"

Dennoch würden die durch den wirtschaftlichen Schock ausgelösten Rückschläge auf dem Arbeitsmarkt auch bis Ende des Jahres noch nicht vollständig wieder aufgeholt sein, prognostiziert das IAB. Aber das Fazit klingt positiv: "Corona war für den Arbeitsmarkt ein herber Schlag, aber es hätte schlimmer kommen können. Ein umfassender Einbruch konnte vermieden werden."

Auch die Erwerbstätigkeit werde sich im Jahresverlauf spürbar erholen, sinke im Jahresdurchschnitt aber um 80.000 Menschen, schätzt das IAB. Die Forscherinnen und Forscher erwarten zudem rund 1,6 Millionen Kurzarbeitende im Jahresschnitt.

Minijobber und Selbstständige hart getroffen

Für den Jahresschnitt 2021 prognostizieren die IAB-Forscher bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ein Plus von 260.000 auf 33,8 Millionen. "Die Experten erwarten aber je nach Branche eine ganz unterschiedliche Entwicklung: Im von der Pandemie besonders betroffenen Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe ist demnach im Jahresdurchschnitt mit einem Abbau von 30.000 Stellen für abhängig Beschäftigte zu rechnen. Das Produzierende Gewerbe verliert demnach 90.000 Arbeitsplätze.

Dagegen dürfte der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit 190.000 zusätzliche Stellen schaffen. Beim Baugewerbe gehen die Fachleute von 30.000 zusätzlichen Beschäftigten aus. 

Am schlechtesten sei die Entwicklung bei Minijobbern und Selbstständigen - also gerade den Gruppen, die nicht durch Kurzarbeit abgesichert sind, heißt es weiter. Für 2021 erwartet das IAB im Schnitt einen Rückgang um 150.000 auf 3,8 Millionen Selbstständige, was dem tiefsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre entspräche. Bei den ausschließlich in einem Minijob Beschäftigten rechnen die Forscherinnen und Forscher 2021 mit einem Rückgang um 200.000 auf etwa 4,6 Millionen Personen.

Pessimismus kehrt zurück

Der Arbeitsmarktprognose des IAB liegt ein Szenario zugrunde, wonach im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 3,4 Prozent zu rechnen ist: Das Vorkrisenniveau werde voraussichtlich Ende des Jahres wieder erreicht werden, schätzt das IAB: "Da die Bundesregierung damit rechnet, dass bis zum Herbst ein signifikanter Teil der Bevölkerung geimpft sein wird, erwarten wir ab Oktober keine wirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch Corona-Schutzmaßahmen."

Die Bundesregierung erwartet derzeit ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent. Die jüngsten Pandemie-Entwicklungen führten zuletzt zu Korrekturen der Konjunkturprognosen: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht für 2021 nur noch von drei statt vier Prozent Wachstum aus.

Das Ifo-Institut senkte seine Prognose von 4,2 auf 3,7 Prozent. Die Erholung der Wirtschaft hängt demnach entscheidend vom Infektionsgeschehen und vom Impfverlauf ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.