Ein Güterzug mit Neuwagen  | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Neuzulassungen im Oktober Pkw-Absatz in der EU bricht ein

Stand: 18.11.2021 12:31 Uhr

Der Marktanteil von Elektroautos wächst. Doch die Gesamtzahl der in der EU neu zugelassenen Pkw ist im Oktober um fast ein Drittel eingebrochen. Die Jahresbilanz dürfte damit noch niedriger ausfallen als im ersten Jahr der Corona-Krise.

Nach dem Einbruch in den Sommermonaten sind auch im Oktober deutlich weniger neue Autos in Europa zugelassen worden. Wie der europäische Herstellerverband ACEA meldet brach die Zahl der Neuzulassungen im Jahresvergleich um 30,3 Prozent auf 665.001 Autos ein. Auf die ersten zehn Monate gesehen lag der Absatz mit 8,2 Millionen Autos damit noch 2,2 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, aber um 31 Prozent unter dem Niveau von 2019. Im Oktober waren die Einbußen besonders groß in Italien (minus 36 Prozent) sowie in Deutschland und Belgien (jeweils minus 35 Prozent).

Unter den Herstellern ließ besonders Volkswagen samt seinen Töchtern Federn: Konzernweit brach der Absatz in der EU im Oktober um 44 Prozent ein. Daimler kam mit einem Rückgang um 34 Prozent und BMW mit knapp 23 Prozent glimpflicher davon. Ausgebremst wird die Autoproduktion vor allem durch den Chipmangel, aber auch durch eine schwächelnde Nachfrage.

Für einige Zulieferer wird es existenzgefährdend

"Die Krise auf dem Neuwagenmarkt weitet sich aus", sagt Peter Fuß, Partner bei EY. "In diesem Jahr werden in der EU noch weniger Neuwagen verkauft werden als im ohnehin schon sehr schwachen Vorjahr. Wir liegen damit weit unter dem Vorkrisenniveau, und eine Trendwende ist vorerst nicht in Sicht." Der Experte ist überzeugt, dass die Chipkrise noch bis Mitte nächsten Jahres zu erheblichen Einbußen führen werde. "Bis dahin werden noch mehrere Millionen Autos nicht gebaut und verkauft - mit entsprechenden finanziellen Auswirkungen für Autohandel, Hersteller und Zulieferer."

Gerade die Zulieferer leiden nach Fuß‘ Einschätzung unter den aktuellen Lieferengpässen bei Rohstoffen, Vorprodukten und Halbleitern. Denn die meist mittelständischen Firmen könnten zumeist nicht auf profitablere Produkte ausweichen oder Preissteigerungen an die Endkunden weitergeben, so der Experte. Für viele von ihnen werde die Lage deshalb existenzbedrohend. Von dem erwarteten Aufschwung nach Ende der Lieferengpässe dürften einige Unternehmen daher wohl nicht mehr profitieren, so Fuß. "Wenn die Industrie wieder lieferfähig ist, werden wir einen kräftigen Boom sehen - für die Unternehmen, die bis dahin durchhalten."

Auch Boom bei E-Autos lässt nach

Fuß rechnet damit, dass die Autohersteller vorerst weiter versuchen werden, ihre Produktion und den Modellmix so anzupassen, dass möglichst margenstarke Neuwagen ausgeliefert werden, wie dies die jüngsten Quartalszahlen von Daimler gezeigt haben. Zudem sinke die Bereitschaft auf Seiten der Hersteller, Rabatte zu geben.

Die Chipkrise bremst auch die Dynamik auf dem boomenden Markt für Elektroautos. In diesem Segment stiegen die Neuzulassungen in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im Oktober "nur" noch um 52 Prozent, nach einem Plus von 60 Prozent im September und 94 Prozent im bisherigen Jahresverlauf. Noch stärker abgebremst wurde die Wachstumsdynamik bei Plug-in-Hybriden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 18. November 2021 um 11:07 Uhr.