Containerschiffe liegen in Hamburg am Containerterminal Burchardkai

Statistisches Bundesamt Deutsche Wirtschaft schrumpft wieder

Stand: 14.08.2019 12:01 Uhr

Nach der positiven Bilanz der ersten Monaten schwächelt die deutsche Wirtschaft - vor allem durch weniger Exporte ins Ausland. Wirtschaftsminister Altmaier spricht von einem "Warnsignal" - Experten fürchten weitere Rückschläge.

Nach dem guten Start in das Jahr muss die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal einen Dämpfer hinnehmen. Vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Das Minus ist vor allem einem schwächelnden Exportmarkt geschuldet Im Vergleich zum ersten Jahresquartal wurden weniger Waren ins Ausland geliefert als nach Deutschland importiert. Zudem belasten internationale Konflikte die Wirtschaftslage - etwa der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China oder der drohende EU-Ausstieg Großbritanniens ohne Brexit-Abkommen.

Altmaier spricht von "Warnsignal"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wertet die leicht geschrumpfte Wirtschaftsleistung als "Weckruf und Warnsignal". "Wir sind in einer Konjunkturschwäche, aber noch nicht in einer Rezession", sagte er der "Bild"-Zeitung. Auch Altmaier machte die schwelenden Handelskonflikte für die Wirtschaftsschwäche verantwortlich.

Nun gelte es, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. "Was wir jetzt brauchen, sind keine Strohfeuer, sondern eine kluge Wachstumspolitik, die Arbeitsplätze sichert." Dazu zählten Entlastungen der Unternehmen, insbesondere des Mittelstands. Konkret schlug Altmaier Entlastungen bei der Körperschaftsteuer und einen klaren Fahrplan für die vollständige Abschaffung des Soli in der kommenden Legislatur vor. 

Jahresbeginn brachte Wachstum

In den ersten drei Monaten 2019 hatte die Wirtschaft entgegen der aktuellen Entwicklung noch zugelegt: Das Bruttoinlandsprodukt war im Vergleich zum ersten Quartal 2018 um 0,4 Prozent gewachsen - dank starkem privaten Konsum und einer boomenden Baubranche.

Nun könnte eine sogenannte technische Rezession drohen, also zwei aufeinanderfolgende Quartale mit rückläufiger Konjunkturentwicklung. Experten hatten eigentlich eine positive Wirtschaftsbilanz prognostiziert, doch aus Sicht von Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung steht "Deutschlands Konjunktur auf der Kippe". Ein Umschwung ins Plus im kommenden Quartal werde immer unwahrscheinlicher.

Bundesregierung rechnet weiter mit Wachstum

Für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kommt der Rückgang kaum überraschend. Nach dem guten Jahresstart seien die deutschen Unternehmen nun "in der harten konjunkturellen Realität angekommen", sagte Hauptgeschäftsführker Martin Wansleben. Auch er erwarte derzeit keine Wende zurück zum Wachstum.

Die Bundesregierung hingegen hält an einer positiven Prognose fest: Für das gesamte Jahr rechnet sie mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um 1,4 Prozent zugelegt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. August 2019 um 09:15 Uhr.

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