Blick in eine leere Produktionshalle | imago images/Westend61

Konjunktur in Deutschland Wirtschaft bricht um 10,1 Prozent ein

Stand: 30.07.2020 11:13 Uhr

Seit 50 Jahren werden die vierteljährlichen Konjunkturdaten erhoben - und seitdem ist die deutsche Wirtschaft noch nie so stark eingebrochen wie derzeit. Um 10,1 Prozent ging es Corona-bedingt bergab.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise in Rekordtempo eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von April bis Juni um 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt in einer Schnellmeldung mitteilte. Das sei der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen für Deutschland im Jahr 1970.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hatten weite Teile der Wirtschaft lahmgelegt: Geschäfte, Hotels und Restaurants mussten schließen, Fabriken machten dicht, Veranstaltungen wurden abgesagt.

Nur der Staat erhöht die Konsumausgaben

Sowohl die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen brachen "massiv" ein, so die Statistiker. Aber auch die privaten Ausgaben und die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen wie Maschinen oder Fahrzeuge wurden zurückgefahren. "Der Staat erhöhte dagegen seine Konsumausgaben während der Krise", so das Bundesamt.

Der aktuelle Rückgang ist noch deutlich stärker als während der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise vor elf Jahren. Damals - im Jahr 2009 - war die Wirtschaft in mehreren Quartalen "nur" im einstelligen Prozentbereich geschrumpft.

"Nun ist sie amtlich - die Jahrhundertrezession"

Da Europas größte Volkswirtschaft bereits im ersten Quartal 2020 wegen der beginnenden Pandemie um 2,0 Prozent geschrumpft ist, befindet sich Deutschland nun auch offiziell in einer Rezession. Davon sprechen Ökonomen, wenn das Bruttoinlandsprodukt mindestens zwei Quartale in Folge gesunken ist.

"Nun ist sie amtlich - die Jahrhundertrezession", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Was bislang weder Börsencrashs noch Ölpreisschocks geschafft haben, vollbrachte ein 160 Nanometer kleiner Winzling namens Corona."

Im dritten Quartal wieder Wachstum erwartet

Für das laufende dritte Quartal erwarten Volkswirte allerdings wieder ein Wachstum. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt ein Plus von drei Prozent voraus. Dennoch werde es wohl zwei Jahre dauern, bis der historische Einbruch vom Frühjahr wettgemacht ist, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Der Deutschen Bundesbank zufolge dürfte der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität bereits im April erreicht worden sein - also ganz zu Beginn des zweiten Quartals. Im dritten und vierten Quartal dieses Jahres soll es laut ihren Prognosen deutlich aufwärts gehen. "Dazu wird auch das zuletzt beschlossene Konjunkturpaket beitragen", schrieben die Experten im jüngsten Monatsbericht.

Die Bundesregierung hat für die Jahre 2020 und 2021 ein insgesamt 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. Unter anderem wurde die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr gesenkt. Das soll den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln.

GfK-Konsumklima und Ifo-Geschäftsklimaindex steigen

Nach Auffassung der GfK-Konsumforscher zeigen sich bereits erste Effekte. "Die Anschaffungsneigung ist sehr stark angestiegen", sagte Konsumforscher Rolf Bürkl bei der Vorstellung der Konsumklima-Studie für Juli. "Die Verbraucher beabsichtigen offenbar, geplante größere Anschaffungen vorzuziehen, was dem Konsum in diesem Jahr hilft."

Auch in den Unternehmen hat sich die Stimmung aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli den dritten Monat in Folge.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2020 um 12:00 Uhr.