Kommentar

Referendum in Griechenland Eine Ohrfeige für das EU-Spitzenpersonal

Stand: 05.07.2015 22:24 Uhr

Die EU-Politiker stehen nach dem griechischen Referendum in der Pflicht, meint Ralph Sina - auch wenn sie das "Nein" schlecht dastehen lässt. Sie müssen jetzt erneut mit den Griechen verhandeln, um das größte Chaos in dem Krisenland zu verhindern.

Von Ralph Sina, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Das klare "Nein" der Griechen zu den Spar- und Reformauflagen der EU ist eine schallende Ohrfeige für das Brüsseler Spitzenpersonal. Für Jean-Claude Juncker, der ganz offen gedroht hatte, die Verhandlungsposition der Griechen werde sich mit einem "Nein" rapide verschlechtern. Für den Präsidenten des Europaparlamentes, Martin Schulz, der den Ausschluss aus dem Euro prophezeite, falls das zahlungsunfähige Griechenland eine Zweitwährung druckt - in Form von Schuldscheinen oder Drachmen. Und vor allem für die Euro-Finanzminister um Wolfgang Schäuble, deren Vorsitzender Jeroen Dijsselbloom vorausgesagt hatte, ein "Nein" der Griechen zu Reformen sei letztlich ein "Nein" zum Verbleib Griechenlands in der EU.

Doch nach der basisdemokratischen griechischen Blockade der EU-Sparauflagen können sich Juncker, Schulz und Schäuble nicht einfach resigniert zurücklehnen und sagen: "Selber schuld. Wo kein griechischer Wille, da kein Euro-Weg!" Es reicht jetzt nicht, Medikamente und Lebensmittel nach Athen zu schicken, und das Chaos ansonsten seinen Lauf nehmen zu lassen, bis Tsipras, Varoufakis und ihr Referendum Geschichte sind.

Eine fast übermenschliche Anstrengung

Das griechische Referendum setzt die anderen Euro-Staaten unter den Zugzwang, ausgerechnet mit einem Yanis Varoufakis zu verhandeln, der Griechenlands Geldgeber als Terroristen beschimpft. Eine fast übermenschliche Zumutung.

Aber den Euro-Finanzminister und den EU-Staats-und Regierungschefs bleibt keine andere Wahl. Sie müssen erneut ein Kreditpaket schnüren und einen Ausweg aus Griechenlands Schuldendrama aufzeigen. Erst wenn diese Verhandlungen erneut scheitern, kann die EU guten Gewissens entscheiden: Wo kein griechischer Wille, da kein Euro-Weg.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2015 um 20:00 Uhr.

Darstellung: