Ruine eines Hauses und zerstörtes Auto in Schlammlawine | AFP

Dammbruch-Katastrophe Verfahren gegen TÜV Süd wird ausgeweitet

Stand: 24.01.2022 15:03 Uhr

Mehr als 270 Menschen starben vor drei Jahren beim größten Bergbauunglück in der jüngeren Geschichte Brasiliens. Weitere 1100 Überlebende der Katastrophe fordern nun Schadenersatz vom Prüfkonzern TÜV Süd.

Das Verfahren gegen TÜV Süd wegen der Dammbruch-Katastrophe im brasilianischen Brumadinho wird um Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe ausgeweitet. Insgesamt 1106 weitere Überlebende des Unglücks von vor drei Jahren und Angehörige hätten Klage gegen den deutschen Prüfkonzern eingereicht, sagte Jan Eric Spangenberg, Anwalt der Klägerseite, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

An der Klageerweiterung beteiligen sich demnach Überlebende sowie Eltern, Ehepartner und Geschwister der Opfer. Sie fordern 440 Millionen Euro Schadenersatz.

Das Urteil kommt später

Das Landgericht München bestätigte dem epd die Klageerweiterung und dass jetzt weiter verhandelt werde. Ein Termin für die neue Verhandlung steht demnach noch nicht fest. Ein ursprünglich für den ersten Februar angesetzter Termin für die Urteilsverkündung ist aufgehoben.

Zuvor hatten sechs Angehörige einer bei dem Unglück in der Eisenerzmine Córrego do Feijão verstorbenen Ingenieurin den TÜV Süd auf Schadenersatz verklagt.

Von Giftschlamm überflutet

Am 25. Januar 2019 war der Damm eines Rückhaltebeckens in der Mine eingebrochen. Die Angehörigen werfen TÜV Süd vor, trotz offensichtlicher Sicherheitsbedenken die Stabilität des 85 Meter hohen Damms zertifiziert zu haben. Aus internen Unterlagen werde zudem klar, dass sich die Prüfer unter Druck gesetzt gefühlt hätten. Bei dem Unglück im Bundesstaat Minas Gerais starben mehr als 270 Menschen, das Gebiet wurde mit giftigem Schlamm überflutet.

Das Gericht muss klären, ob der TÜV Süd zumindest eine Mitschuld an dem Unglück hat. Das Prüfunternehmen hat alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Der Betreiberkonzern Vale war von der brasilianischen Justiz bereits zu Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2020 um 20:00 Uhr.