Demonstranten steht während eines Streiks von Kaufhof- und Karstadt-Beschäftigte vor einer Galeria Kaufhof in Stuttgart | Bildquelle: dpa

Tarifverhandlungen Warnstreiks bei Kaufhof und Karstadt

Stand: 12.12.2019 18:02 Uhr

Nach der Fusion von Kaufhof und Karstadt fordert ver.di einen Flächentarifvertrag für alle Beschäftigten. Doch die Verhandlungen gestalten sich schwierig. Um ihrem Unmut Luft zu machen, sind Hunderte Angestellte in den Streik getreten.

Mitten im so wichtigen Weihnachtsgeschäft sind Beschäftigte des Warenhausriesen Galeria Karstadt Kaufhof in einen Warnstreik getreten. In zahlreichen Kaufhof-Filialen legten die Beschäftigte nach Angaben der Gewerkschaft ver.di die Arbeit nieder.

Sie kritisieren ungleiche Arbeitsbedingungen nach der Fusion der Warenhauskonzerne Kaufhof und Karstadt sowie die aus ihrer Sicht zu geringen Löhne. "Die Beschäftigten bei Kaufhof, aber auch Karstadt, sind sauer. Sie verlangen, dass es endlich eine sichere tarifvertragliche Lösung für die Zukunft des Warenhauses und ihre Arbeitsplätze gibt und dass die kräftezehrende Hängepartie ein Ende hat", sagte der ver.di-Verhandlungsführer Orhan Akman.

Karstadt- und Kaufhof-Filiale in Trier | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Karstadt und Kaufhof fusionierten vor gut einem Jahr.

Insgesamt sollten sich nach Gewerkschaftsangaben Beschäftigte in 68 Kaufhof-Filialen, 16 Filialen von Karstadt Sports sowie rund acht Filialen von Karstadt Feinkost an den Arbeitsniederlegungen beteiligen. Betroffen waren die Städte Berlin, Hannover, Düsseldorf und Stuttgart. Trotz des Streiks seien alle Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof geöffnet geblieben, betonte der Vertriebschef des Unternehmens, Thomas Wanke.

Kaufhof-Angestellte befürchten Lohn-Einbußen

Ver.di erklärte, das Ziel des Managements, niedrigere Gehälter bei Karstadt auch für Kaufhof zum Maßstab zu machen, sei nicht haltbar. Die Sanierung dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, sagte Gewerkschafterin Havva Öztürk.

Ver.di und Galeria Karstadt Kaufhof verhandeln über einen gemeinsamen Sanierungstarifvertrag für den durch den Zusammenschluss entstandenen Warenhausriesen. Der Gewerkschaft zufolge würde eine Verschmelzung ohne neuen Tarifvertrag für die Kaufhof-Beschäftigten unter anderem automatisch eine rund elfprozentige Lohn-Absenkung bedeuten.

Investitionen von Eigentümer gefordert

Der Konzern hatte bereits eine Lösung vorgeschlagen, die für die Kaufhof-Mitarbeiter nicht ganz so große Einbußen bedeutet und den Karstadt-Beschäftigten sogar mehr Geld bringen würde. Auch ver.di hatte Bereitschaft zu Zugeständnissen erkennen lassen. Doch sind die Positionen der beiden Seiten offensichtlich noch weit voneinander entfernt. Das gilt nicht nur für die künftige Lohnhöhe, sondern auch für die Frage, wie lange ein neuer Sanierungstarifvertrag gelten soll.

Ver.di fordert die verbindliche Rückkehr in den Flächentarifvertrag des Einzelhandels und "Sicherheit der Arbeitsplätze". Der Eigentümer, der österreichische Investor René Benko, müsse zudem "Geld in die Hand nehmen, um in das Warenhaus zu investieren".

Zudem müssten leitende Angestellte und das Management einen Beitrag zur Sanierung leisten, wenn das Unternehmen von den Beschäftigten Verzicht einfordere, so ver.di.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Dezember 2019 um 09:15 Uhr und 10:45 Uhr in den Nachrichten.

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