Bügel der Firma Marks + Spencer | Bildquelle: AFP

Kampf im britischen Handel Mit Marks & Spencer stirbt die High Street

Stand: 26.05.2018 16:43 Uhr

Die Deutschen kennen es seit der Karstadt-Krise: Erst macht das Kaufhaus zu, dann geht es mit der ganzen Straße bergab. Das spielt sich jetzt auch in Großbritannien ab. Marks & Spencer schließt dort 100 Filialen.

Von Christoph Heinzle, ARD-Studio London

Die Holloway Road ist das Herz des gleichnamigen Stadtteils im Norden Londons. Die "High Street" - wie man in Großbritannien zur Haupteinkaufsstraße sagt. Nicht die beste Gegend, viele Billigläden. Aber immerhin einen Marks & Spencer haben sie hier. Doch das britische Traditionsunternehmen will dieses Kaufhaus hier schließen.

Sehr traurig, finden das zwei ältere Damen. "Wir mögen Marks & Spencer, das ist eine Institution. Diese Gegend ist ohnehin geplagt, hier gibt es keine guten Läden. Jeder kauft online. Aber das ist doch kein Einkaufserlebnis mehr. Und es geht doch auch um die Gemeinschaft hier."  Der junge Verkäufer mit indischen Wurzeln dagegen am Schmuckstand gegenüber weint dem Kaufhaus keine Träne nach. Marks & Spencer sei teuer, er kaufe nur online - billig.

Marks + Spencer in Holloway Nag´s Head
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Die Holloway Road ist nicht die beste Gegend Londons. Aber immerhin gibt es hier einen Marks & Spencer - noch.

Kleinere Filialen sollen schließen

Marks & Spencer ist lediglich ein Leidtragender der britischen Einzelhandelskrise, aber einer der prominentesten. Von Shoppingmalls abgehängt, von hohen Mieten gebeutelt, dem Internet unterlegen. Vorstandschef Steve Rowe will insgesamt 100 Filialen schließen, ein Zehntel aller Standorte.

Steve Rowe, CEO von Marks & Spencer. | Bildquelle: REUTERS
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Der Chef des Konzerns, Rowe, setzt auf "aufregende Standorte".

"Wir müssen jetzt unseren Immobilienbestand modernisieren, um sicherzustellen, dass wir für unsere Kunden die passenden und aufregenden Standorte haben", sagt Vorstandschef Rowe. Deshalb müsse man "einige kleinere Läden schließen, wo wir nicht das ganze Sortiment haben, und den Kunden in größeren Läden zeigen, was Marks & Spencer ausmacht."

"Wenn man Verkäufer entlässt, ist man am Ende weg"

Ein Viertel des britischen Handels im Non-Food-Bereich läuft schon online - mehr als andernorts, so der Londoner Einzelhandels-Berater Richard Hyman. Dagegenhalten könne man nicht durch Preiskampf, sondern nur durch Dienst am Kunden. 

"Im Wettbewerb mit dem Internet muss ein Einzelhändler Leute ansprechen, die nicht unbedingt wissen, was sie wollen, die inspiriert werden wollen", so der Handelsexperte. "Aber wenn die Mitarbeiter verkaufen sollen und man sie dann entlässt, dann schadet das dem Verkauf und am Ende ist man weg."

Experte rät: Auf Kernkunden konzentrieren

Dabei beschweren sich gerade bei Marks & Spencer viele Stammkunden über den Service. Die Mitarbeiter müssten sich mehr um das Vertrauen der Kunden bemühen, sagt eine Frau. Eine andere sieht weiter Chancen für Shoppen vor Ort: "Ich gehe gerne in Läden, weil ich dort sehen und anfassen kann, was ich kaufe. Das geht online nicht. Im Laden kann ich mich selbst von der Qualität überzeugen."

Doch man darf es nicht jedem recht machen wollen, sagt Einzelhandels-Berate Hyman: "Man muss die Kernkunden identifizieren und andere ignorieren, weil man sonst die Kernkundschaft schlechter bedient." als Positiv-Beispiele nennt er Aldi oder Primark: "Aldi - fantastisch - weiß genau, was es tut. Oder Primark, der Aldi für Kleidung. Das ist eine ähnliche Philosophie: sie sind sehr fokussiert, bleiben bei dem, worin sie gut sind."

Ein Schild weist auf Möglichkeit zur Vermietung hin.
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Links und rechts von Marks & Spencer in Holloway stehen schon jetzt Läden leer. Mit dem Ende des Kaufhauses könnten es noch mehr werden, so die Befürchtung.

"Die High Street ist der Herzschlag der Stadt"

Viele, vor allem Ältere und vor allem Frauen, sehen die Krise der High Street, der Haupteinkaufsstraße, auch unter einem anderen Aspekt: "Die High Street ist nicht mehr, was sie mal war: ein Teil der Gemeinschaft, wo man sich auskannte", sagt eine Frau auf der Londoner Einkaufsstraße.

Und auch der Handelsexperte Hyman stimmt ihr zu: "In der High Street geht es um mehr als nur Einkaufen. Shoppen ist eine soziale Aktivität. Die High Street ist der Herzschlag der Stadt."

Überlebenskampf auf der High Street
Christoph Heinzle, NDR
26.05.2018 15:05 Uhr

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