Die kanadische Handelsministerin Freeland  | AFP

Handelsministerin reist ab Kanada sieht derzeit keine Chance für CETA

Stand: 21.10.2016 17:39 Uhr

CETA wackelt: Die kanadische Handelsministerin brach die Gespräche mit der belgischen Region Wallonie ab. Die EU sei derzeit nicht in der Lage, mit Kanada ein Handelsabkommen abzuschließen, sagt sie resigniert - und packte ihre Koffer. Die EU gibt CETA noch nicht verloren.

Die Blockade der EU durch unbeugsame Wallonen hat Folgen. Das Freihandelsabkommen CETA steht auf der Kippe. Kanadas Handelministerin packte resigniert ihre Koffer und flog zurück in die Heimat. "Es scheint für mich und Kanada offensichtlich, dass die Europäische Union derzeit nicht in der Lage ist, ein internationales Abkommen abzuschließen", sagte Freeland und fügte enttäuscht hinzu: "Nicht einmal mit einem Land, das europäische Werte teilt wie Kanada." Die Verhandlungen seien gescheitert.

Die belgische Region Wallonie hatte ein Veto gegen das Abkommen eingelegt und blockiert damit derzeit das EU-Freihandelsabkommen mit Kanada. Zuständig ist eigentlich die belgische Föderalregierung, doch hatte die Regierung der Wallonie zuletzt direkt mit Freeland gesprochen. Ob Freelands Absage endgültig ist, ist nicht ganz klar.

Für die EU ist CETA noch nicht am Ende

Die EU gibt CETA noch nicht verloren. Man halte den Verhandlungsstopp mit der Regionalregierung der Wallonie nicht für das Ende des Weges zur Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und Kanada, hieß es aus der Brüsseler Behörde. "Ich verliere nicht die Hoffnung", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Ich glaube, dass es durchaus möglich ist, in den nächsten Tagen noch eine Lösung mit unseren wallonischen Freunden zu finden."

Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Abschluss des EU-Gipfels. "Ich bin optimistisch dahingehend, dass man bei CETA vielleicht noch eine Lösung findet", sagte sie. "Ich kann dem aber nicht vorgreifen". Auch Frankreichs Staatschef François Hollande äußerte Hoffnung auf eine Einigung. "Ich denke, es ist möglich, einen Kompromiss zu finden, und Kanada unternimmt alle notwendigen Anstrengungen."

Paul Magnette ist "Mister No"

Der wallonische Ministerpräsident Paul Magnette sah nach stundenlangen Verhandlungen mit Vertretern der EU und Kanadas zwar Fortschritte, aber wegen der strittigen Frage der Schiedsgerichte noch keine Einigung.

Ministerpräsident der Wallonie, Paul Magnette | REUTERS

Mister No: Der Ministerpräsident der Wallonie, Paul Magnette Bild: REUTERS

Der Druck auf Magnette und seine Regierung, dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada zuzustimmen, war in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Während des zweitägigen EU-Gipfels in Brüssel liefen intensive Gespräche mit dem Ziel, die Wallonie zur Zustimmung zu bewegen. Das Parlament der südbelgischen Region hatte vor einer Woche mit deutlicher Mehrheit gegen CETA gestimmt. Das hindert die belgische Zentralregierung daran, das Abkommen im Namen des Landes zu unterzeichnen. Ohne Zustimmung Belgiens kann CETA nicht in Kraft treten.

Der CETA-Zeitplan dürfte jedoch kaum noch einzuhalten sein. CETA sollte eigentlich nächste Woche Donnerstag in Anwesenheit des kanadischen Premiers Justin Trudeau unterzeichnet werden. CETA kommt nur zustande, wenn alle EU-Staaten dafür sind Ziel des Abkommens ist der Abbau von Zöllen und Handelsabkommen. Kritiker fürchten, dass europäische Sozial-, Rechts- und Umweltstandards ausgehöhlt werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Oktober 2016 um 21:45 Uhr.

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KOMMENTARE

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Babilla 22.10.2016 • 00:57 Uhr

Mehrheit gegen CETA-Volksabstimmung fordere ich auch für die BRD

Laut einer Umfrage des Gallup-Institut vom 18. 10. bis 20. Das Ergebnis ist jedenfalls eindeutig: Die Mehrheit lehnt den Handelspakt mit Kanada rundweg ab. Mehrheit dagegen. Diese Volksabstimmung würde klar gegen CETA ausgehen: 71 % der Befragten würden gegen den ungeliebten Handelspakt stimmen, nur 29 % sind dafür. Österreicher fühlen sich nicht genug informiert Schlechte Information. Und nicht nur das: Gleich 74 % ­sagen, sie fühlen sich in Sachen CETA nicht ausreichend informiert. Mehr Nachteile. 45 % glauben, der Handelspakt bringe Österreich mehr Nachteile als Vorteile. Und das, obwohl inzwischen festgeschrieben wurde, dass Österreich alle Umwelt- und Lebensmittelstandards erhalten kann. Pro Volksabstimmung. 47 % wollen mitreden und fordern eine Volksabstimmung, bevor der Handelspakt wirklich in Kraft tritt. Mehrheit dagegen. Diese Volksabstimmung würde klar gegen CETA ausgehen: 71 % der Befragten würden gegen den ungeliebten Handelspakt stimmen, nur 29 % sind dafür.