US-Bank JP Morgan kauft sich frei Der 920-Millionen-Dollar-Ablass

Stand: 19.09.2013 16:45 Uhr

JP Morgan zahlt in der "Wal von London"-Affäre eine Strafe von 920 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien. Damit kauft sich die US-Großbank offenbar von weiteren zivilrechtlichen Ermittlungen frei. Die Summe geht laut der Nachrichtenagentur "Reuters" aus öffentlich zugänglichen Unterlagen zu dem Vergleich hervor. Die Behörden hatten dem Institut unter anderem Defizite im Risikomanagement vorgeworfen.

In dem Skandal von Anfang 2012 geht es um den Londoner Händler Bruno Iksil, der mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar versenkte. Wegen der enormen Größe der Wetten bekam der Banker von den Medien den Spitznamen "Wal" verpasst.

Der Eingang der Zentrale von JP Morgan Chase in New York. Das Bild stammt vom 13. Juli 2012.
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6,2 Milliarden Dollar verzockte der "Wal von London". Jetzt muss JP Morgan auch noch 920 Millionen Dollar Strafe zahlen.

Der "Wal" redet, seine Ex-Kollegen werden angeklagt

JP Morgan hat sich für die Verfehlungen seiner damaligen Mitarbeiter entschuldigt, steht nun aber unter besonderer Beobachtung. Der Skandal hatte mehrere behördliche Untersuchungen und Anhörungen im Kongress ausgelöst. Das Image der Bank, die vergleichsweise gut durch die eigentliche Finanzkrise gekommen war, gilt seitdem als schwer beschädigt.

Bei dem erzielten Vergleich ging es um die zivilrechtlichen Aspekte. Strafrechtlich treiben die Staatsanwälte derweil Klagen gegen zwei frühere Händler der Bank voran - beides Ex-Kollegen Iksils. Ihnen wird unter anderem Betrug zur Last gelegt. Außerdem sollen sie den Fall verschleiert und die Börsenaufsicht SEC belogen haben. Iksil selbst kooperiert mit den Behörden. Darum bleibt er bislang von strafrechtlicher Verfolgung verschont.

Immer neue Rekordstrafen

JP Morgan ist nicht die erste Bank, die von den Ermittlern in hohe Strafzahlungen getrieben wird. Im Großen und Ganzen geht es dabei um zwei Komplexe, die von den Behörden momentan aufgearbeitet werden: zum einen die Subprime-Krise, die den großen Finanzcrash 2008 auslöste, und zum anderen der Libor-Skandal um von Banken manipulierte Zinsen.

Die bislang höchste Einzelstrafe liegt bei rund 1,5 Milliarden Dollar. Soviel zahlte vergangenes Jahr die Schweizer UBS wegen ihrer Verstrickung in die Libor-Affäre. Den Vorreiter hatte schon 2010 Goldman Sachs gegeben. Die Investmentbank zahlte wegen eines dubiosen Subprime-Produkts namens "Abacus" in einem Vergleich rund 550 Millionen Dollar. Damals war das noch ein Rekord - inzwischen sind solche Summen völlig normal.

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