Konjunkturprogramm in Japan

Kampf gegen die Konjunkturflaute Japan dreht den Geldhahn weit auf

Stand: 22.01.2013 11:54 Uhr

Japan will mit einem größeren Geldangebot die lahmende Konjunktur endlich ankurbeln. Die Notenbank kündigte an, ab dem kommenden Jahr zeitlich unbegrenzt Anleihen aufzukaufen - bislang war dies befristet. Zugleich verdoppelte sie ihr Inflationsziel auf zwei Prozent. Die Bank weicht damit von ihrem bisher vorsichtigen Kurs ab - auf Druck der neuen Regierung.

Peter Kujath ARD-Studio Tokio

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Die japanische Zentralbank hat sich dem Druck gebeugt. Am Ende ihrer zweitägigen Sitzung hat der Vorstand unter anderem die Festlegung eines zweiprozentigen Inflationsziels akzeptiert. Lediglich zwei Mitglieder stimmten dagegen. Die neue japanische Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe hatte die Zentralbank nachdrücklich aufgefordert, mehr gegen die Deflation zu tun.

Konjunkturprogramm in Japan

Im Kampf gegen Deflation und Konjunkturflaute kündigte die Notenbank an, unbegrenzt Anleihen anzukaufen.

Japan leidet seit Jahren unter sinkenden Konsumausgaben und damit verbunden fallenden Preisen. Auf ihrer letzten Sitzung hatte die japanische Zentralbank eine zusätzliche quantitative Lockerung ihrer Geldmarktpolitik um zehn Billionen Yen, etwa 85 Milliarden Euro, beschlossen, nun wurde dieser Betrag noch einmal aufgestockt. Es ist das erste Mal in knapp zehn Jahren, dass die Zentralbank zweimal hinter einander tätig wird, um der japanischen Wirtschaft mit zusätzlichen Finanzmitteln zu helfen.

Bank beugt sich dem Druck

Die Zentralbank spricht jetzt von einem unbegrenzten Ankauf von Anleihen, ein Instrument, das bereits von der US-amerikanischen Notenbank eingesetzt wird. Wirtschaftswissenschaftler sind sich hinsichtlich des Erfolgs solcher Maßnahmen nicht einig. Bisher hatte die japanische Zentralbank eine eher konservative Geldmarktpolitik verfolgt. Der Druck hatte nach dem Regierungswechsel aber deutlich zugenommen.

Shinzo Abe

Ministerpräsident Abe hofft, mit neuen Maßnahmen die Konjunktur anzukurbeln.

Auf der Sitzung stimmte die Zentralbank nun auch einer gemeinsamen Erklärung mit der Regierung zu. Darin werden die Maßnahmen im Kampf gegen die Deflation, unter anderem das zweiprozentige Inflationsziel, festgeschrieben - allerdings ohne genaue Terminierung.

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KOMMENTARE

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Trecker 22.01.2013 • 13:48 Uhr

Ökonomische Folgen expansiver Geldpolitik

Diese Maßnahme wurde ja bereits letztes Jahr angekündigt und kommt nicht überraschend. Ob damit die Deflation behoben werden kann, mag man aber bezweifeln bei den Erfolgen amerikanischer und europäischer Geldpolitik. Denn hier floss das zusätzliche Geld eher in die Aktienmärkte, wo es dann auch zu Preissteigerungen kam. Während man also in der Wirtschaft nach wie vor eine ähnliche Inflation messen konnte, stiegen Aktienkurse dramatisch stärker, weit stärker, als die ökonomischen Daten hinter den Aktien. Ein anderer Teil des Geldes ging in Sachwerte wie Edelmetalle und Immobilien. Auch dort konnte man den Preisanstieg sehen. Aber genauso könnte sich auch in Japan herausstellen, dass Geldpolitik wirkungslos bleibt, schon wegen der Giralgeldschöpfung der Privatbanken. Und ehe wieder Diskussionen entstehen, dass Banken kein Geld erzeugen: Lesen Sie "Modern Money Mechanics" von der FED!