Logo der Ratingagentur Fitch an einem Gebäude

Fitch senkt Bonitätsnote Japans Kreditwürdigkeit sinkt weiter

Stand: 22.05.2012 12:56 Uhr

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Japans herabgestuft. Die Bonitätsnote wurde um eine Stufe von "AA-" auf "A+" gesenkt. Der Ausblick auf die weitere Entwicklung ist laut Fitch negativ. Damit droht dem Land eine weitere Herabstufung.

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Fitch begründet die Herabstufung mit der wachsenden Verschuldung Japans.

Japan ist hoch verschuldet. Das Land kämpft bereits seit Jahrzehnten mit hohen Defiziten und den Folgen. Dennoch ist die Lage nicht mit der Situation in hoch verschuldeten Staaten der Eurozone vergleichbar. Denn schätzungsweise 95 Prozent der japanischen Staatsanleihen liegen in den Depots einheimischer Anleger. Die Gewohnheit der Einwohner, Staatsanleihen des eigenen Landes zu kaufen, ermöglicht es der Regierung, sich Geld zu vergleichsweise niedrigen Zinsen zu leihen. Damit haben ausländische Investoren und Geldgeber kaum Druckmittel im Fall weiter ausufernder Staatsschulden. Darin besteht ein wesentlicher Unterschied etwa zu Griechenland.

Gesamtverschuldung enorm hoch

Den Zahlen nach ist die Lage der Staatsfinanzen in Japan allerdings verheerend. Mit der jüngsten Entwicklung begründete Fitch auch die Senkung der Bonitätsnote. Der Gesamtverschuldung des Landes werde sich Ende des Jahres voraussichtlich auf 239 Prozent des Bruttoinlandsprodukts summieren, rechnete Fitch vor. Das sei mit Abstand der höchste Wert aller bewerteten Staaten. Der Schuldenstand habe seit Beginn der weltweiten Finanzkrise weitaus stärker zugelegt als in den anderen OECD-Staaten.

Die Agentur rief die japanische Regierung zu zusätzlichen Schritten auf, um die Verschuldung einzugrenzen. "Der Plan des Landes zur Haushaltskonsolidierung sieht gemächlich aus, sogar im Vergleich zu anderen einnahmenstarken Ländern, die fiskalpolitisch unter Druck sind", erklärte Fitch-Experte Andrew Colquhoun. Die Umsetzung der Pläne zur Haushaltskonsolidierung sei zudem mit politischen Risiken verbunden.

Die OECD legte parallel eine Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung Japans vor. Demnach kann das Land in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,0 Prozent rechnen. 2013 werde es voraussichtlich um weitere 1,5 Prozent bergauf gehen.

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KOMMENTARE

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Dreamer 22.05.2012 • 20:56 Uhr

@Semmel: völlig falsch verstanden

In der Tat haben sie die Zusammenhänge völlig falsch verstanden. So gut wie alle Staaten nehmen neue Schulden auf, um alte zurückzuzahlen. Das machen die USA, aber genauso auch Japan und z.B. Deutschland mehrmals jährlich. Die Krise in den USA handelte auch nicht davon, dass die USA von den Banken keine neuen größeren Kredite bekommen hätten - im Gegenteil. Die Krise war ausschließlich eine politische: Die USA haben eine gesetzlich verankerte Obergrenze für ihre Verschuldung. Wird dieser erreicht, muss das Parlament einer Erhöhung der Grenze zustimmen. Und im letzten Jahr wurde mal wieder solch eine Grenze erreicht. Nur hat das Parlament diesmal sehr lange deren Erhöhung verweigert. Und das wurde in den Nachrichten als "kurz vor der Zahlungsunfähigkeit" berichtet.