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Prognose des Internationalen Währungsfonds Weltwirtschaft wächst - Europa droht Rezession

Stand: 17.04.2012 18:23 Uhr

Die Weltwirtschaftskrise ist zwar noch nicht überstanden, dennoch blickt der Internationale Währungsfonds optimistisch in die Zukunft: Vier Prozent werde die Wirtschaft im kommenden Jahr wachsen, heißt es in der aktuellen IWF-Prognose. Für die Eurozone fällt die Aussicht dagegen schlechter aus.

Rüdiger Paulert ARD-Studio Washington

Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington

Die Weltwirtschaft ist von der Lösung der Probleme in der Eurozone abhängig. Wie ein roter Faden zieht sich dies durch den Konjunkturausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) hindurch. Zwar habe man in Europa viel zur Lösung der Probleme getan, lobt der IWF. Doch die Lage könne sich nach Einschätzung des IWF-Chefvolkswirts Olivier Blanchard jederzeit wieder zum Schlechten wenden.

Deshalb gibt der IWF in seinem Ausblick auf die Weltwirtschaft noch keine Entwarnung. Nach seiner Einschätzung aber kommt die Wirtschaft gestärkt aus 2012 heraus. Vier Prozent werde die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wachsen, nach 3,5 Prozent in diesem.

Leichte Rezession in Europa erwartet

Für die Eurozone allerdings gelten diese optimistischen Prognosen nicht, schränkte der IWF ein. Hier erwarte man in diesem Jahr aufgrund der Schwäche Griechenlands und Italiens sowie Spaniens und Portugals eine leichte Rezession. Für Deutschland sagt der IWF ein leichtes Wachstum in diesem Jahr vorher und fürs nächste Jahr 1,5 Prozent.

Angesichts der Schwäche der Eurozone empfiehlt Blanchard: "Aus Gründen der Glaubwürdigkeit sind kurzfristige Anpassungen nötig. Sie können nicht mehr sagen: 'Ich mache dies morgen'. Auch muss die Suche nach langfristig glaubwürdigen Maßnahmen fortgesetzt werden. Dies geht durch Ausgabenkürzungen und fiskalische Maßnahmen, die das Haushaltsdefizit schon bald reduzieren."

"Rettungsschirm reicht nicht zur Lösung aller Probleme"

Lob gab es vom IWF für die Aufstockung des Euro-Rettungsschirmes. Doch dies allein reiche nicht zur Lösung aller Probleme, so Blanchard: "Wenn der Aufbau einer hohen Brandmauer abgeschlossen ist, ist dies ein großer Fortschritt. Doch Brandmauern können nicht die schwierigen Haushalts-, Wettbewerbs- und Wachstumsprobleme lösen, die einige europäische Staaten haben."

Nachdem man nun einen europäischen Fiskalpakt abgeschlossen habe, sollen die Eurostaaten prüfen, wie weit man auch gemeinsame Euroanleihen auflegen könne. Damit meine er nicht den Markt für Staatsanleihen als Ganzes, schränkte Blanchard ein, sondern beispielsweise gemeinsame  Anleihen der Eurostaaten, die eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. 

Damit spielt Blanchard den Ball an die Europäer und besonders an die Deutschen zurück, die bisher gemeinsame Anleihen ablehnen. Denn zusätzliches Geld vom IWF, das die Eurozone zur Risikoreduzierung auf der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington fordern wird, gibt es damit wohl kaum ohne Gegenleistung. Zumal viele Schwellen- und Entwicklungsländer, sowie die USA ohnehin darauf drängen, dass die Europäer ihr Problem allein lösen.

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KOMMENTARE

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mudo 18.04.2012 • 01:41 Uhr

@Castro

Dieses "Hauptsache billig" liegt aber auch größtenteils daran, dass wir schon ein Billiglohnland sind und das man sich schlichtweg nichts teureres mehr leisten kann. Und damit machen wir die anderen kaputt, die nun uns wiederum kaputt machen könnten (wohin sollen wir denn irgendwann exportieren, wenn alle um uns herum pleite sind?). Und so schließt sich der Kreis.