IWF

Bericht zur Finanzstabilität IWF warnt vor Kreditklemme in Europa

Stand: 10.10.2012 01:38 Uhr

Die Gefahr einer neuen Kreditklemme in Europa hat sich nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter verschärft. Es sei im schlimmsten Fall denkbar, dass überhastete Bilanzverkürzungen bei den Banken die Kreditvergabe bis Ende 2013 um 4,5 Prozent sinken lassen, heißt es im neuen IWF-Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, der in Tokio vorgelegt wurde. Dies könnte globale Folgen haben.

Würde die Kreditvergabe sinken, könne die Konjunktur in der Eurozone zwischen 1,5 und 4 Prozent einbrechen, also noch weiter als die jetzigen ohnehin niedrigen Prognosen befürchten lassen. Um das zu verhindern, müssten die europäischen Regierungen vor allem durch die Umsetzung bereits vereinbarter Maßnahmen gegen die Schuldenkrise ihre politische Glaubwürdigkeit bekräftigen. Darauf aufbauend könnten sie "die derzeitige Situation stabilisieren und schnelle Schritte zu einer besser integrierten Union unternehmen", heißt es in der Analyse.

Neben der Eurokrise hätten auch weltweit schlechtere Konjunkturprognosen dazu beigetragen, dass das Vertrauen ins globale Finanzsystem zuletzt wieder deutlich nachgelassen habe. "Trotz wichtiger und andauernder Bemühungen der europäischen Gesetzgeber, die die größten Ängste der Investoren ansprachen", bleibe die Eurokrise das Hauptrisiko für das globale Finanzsystem. Privatanleger seien insgesamt noch weniger risikofreudig geworden und die schwächeren Euroländer litten weiter unter einer Kapitalflucht.

IWF: Europa muss weiterhin Vertrauen festigen

Auch die neuen Sicherungsinstrumente hätten den Trend noch nicht stoppen können. Trotz "technischer, rechtlicher und politischer Probleme" bei der Umsetzung der Maßnahmen müsse es weiter oberstes Ziel für Europa bleiben, das Vertrauen der Privatanleger zu festigen.

Beim neuen Programm der Europäischen Zentralbank zum Ankauf von Staatsanleihen hochverschuldeter Euroländer sieht der IWF allerdings "bedeutende Risiken" wegen der Teilnahmebedingungen für finanzschwache Staaten. Der IWF warnte, das EZB-Programm garantiere keine Rückkehr zu einer tragbaren Schuldenlast, da die verlangten Sparanstrengungen auch zur Verlangsamung des Wachstums und damit zur Verringerung der Staatseinnahmen führen könnten.

Die EZB hatte Anfang September ein neues Programm zum unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen beschlossen. Es ist jedoch Staaten vorbehalten, die Hilfen beim Euro-Stabilitätsfonds ESM beantragt und sich dabei zur Umsetzung von Sparanstrengungen zur Reduzierung ihres Haushaltsdefizits verpflichtet haben.

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KOMMENTARE

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Bonzai 10.10.2012 • 10:00 Uhr

Kurzsichtigkeit soweit das blinde Auge schaut

"Trotz wichtiger und andauernder Bemühungen der europäischen Gesetzgeber, die die größten Ängste der Investoren ansprachen" .. das bringt es doch genau auf den Punkt. Vielleicht sollte sich mal jemand Sorgen um die Bevölkerung machen, denn im Gegensatz zu denen die mit dem Geld fremder Leute jonglieren und Zinseszinsen auf Phantasiebeträge einer beliebigen Währung (in diesem Fall Euro) aufschlagen, produzieren die Banken GAR NICHTS.. ausser neuen Zahlen auf Papier (bzw. elektronisch). Gegenwert? Sicherheiten? Schon lange nicht mehr. Ich glaube die größten Ängste der "Anleger" sieht man z.Z in Griechenland, wenn nämlich die wirklich arbeitenenden Menschen nichts mehr zu verlieren haben, ausser ihren Wohnungen, Jobs und ihrer Gesundheit. Klar kann man jede Prognose schön oder schlecht rechnen, aber Hunger bleibt Hunger und Menschen bleiben Menschen. Perspektivlosigket führt zwangsläufig zum Kollaps des Systems. (Bin in der DDR geboren und hab es schon einmal erlebt)