Währungsfonds will Teil der Reserven verkaufen IWF trennt sich von 403 Tonnen Gold

Stand: 19.09.2009 05:33 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) verfügt offiziell über die drittgrößten Goldreserven der Welt - bislang. Denn rund ein Achtel dieser Reserven sollen nun verkauft werden, um mehr Kredite an ärmere Länder bereitzustellen. Möglicher Interessent für das Gold: die Deutsche Bundesbank.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Logo des Internationalen Währungsfonds
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Geht an die Reserven: Der Internationale Währungsfonds

Anderthalb Jahre hat es gedauert - nun hat der Vorstand des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen bereits im Frühjahr 2008 gefassten Grundsatzbeschluss endgültig bestätigt. Die Konsequenzen sind Gold wert, denn der IWF wird nun tatsächlich ungefähr ein Achtel seiner aktuellen Goldreserven verkaufen.

Bekäme der IWF die 403 Tonnen zum derzeitigen Marktwert verkauft, könnte er rund 13 Mrd. US-Dollar (ca. 9 Mrd. Euro) einnehmen. Doch um den Kurs angesichts einer solchen Menge nicht einbrechen zu lassen, wird das Gold zunächst ausschließlich öffentlichen Geldinstituten und Zentralbanken der Mitgliedsstaaten angeboten. Also wird man sich auch in Frankfurt am Main und Berlin mit der Frage befassen, ob die deutschen Goldreserven aufgestockt werden sollten.

Spekulationen über deutsche Goldreserven

Goldbarren
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Ein Teil des Goldes könnte auch nach Deutschland gehen.

Über deren aktuellen Umfang hüllen sich Bundesbank und Bundesfinanzministerium traditionell in Schweigen. Daher ist Vorsicht geboten bei den 3400 Tonnen, über die die Presse nun schon seit einigen Jahren berichtet. Nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine veraltete Zahl handelt, die in Ermangelung offizieller Angaben stets wiederholt wird. Unklar ist auch, wo sich das deutsche Gold befindet.

Geschätzt wird, dass in Deutschland - genauer gesagt in Frankfurt am Main - nur zwei Prozent der Reserven lagern. Der weitaus größte Anteil soll in Tresoren von London und an der Wall-Street in New York verschlossen sein - eine Folge aus dem Kalten Krieg, als man den Überfall des Warschauer Paktes und somit auch einen Angriff auf die bundesdeutschen Goldreserven befürchtete.

Sicher ist nur, dass immer wieder einige Politiker vorgeschlagen hatten, das deutsche Gold am Markt zu versilbern und mit dem Erlös wahlweise den maroden Bundeshaushalt zu stützen oder eine Bildungsoffensive zu finanzieren. Derlei Ansinnen, zuletzt Anfang dieses Jahres aus CDU-Reihen erhoben, sind von Bundesbank und Bundesfinanzministerium stets abgebügelt worden.

Verkauf auch an potenzielle Privatkäufer

Dominique Strauss-Kahn
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Begrüßte die Entscheidung: IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn

Was nun den am Freitag beschlossenen Goldverkauf des IWF angeht, so hat der französische Direktor Dominique Strauss-Kahn erklärt, man werde sich nach und nach auch an potenzielle Privatkäufer wenden, wenn die öffentlichen Banken kein hinreichendes Interesse zeigen. Von dem Erlös will der Internationale Währungsfonds Kredite für Entwicklungsländer finanzieren. Bereits im Juli hatte der Vorstand beschlossen, dafür in den nächten fünf Jahren insgesamt 17 Mrd. Dollar bereitzustellen und zudem bis 2011 auf die Zinsen auf bereits ausgereichte Kredite zu verzichten.

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