IWF-Chefin Lagarde in Davos | Bildquelle: dpa

Wachstumsprognose gesenkt Der IWF mahnt die Staatschefs der Welt

Stand: 21.01.2019 15:41 Uhr

Auf die Korrektur nach unten folgt eine weitere Korrektur nach unten: Nur noch 3,5 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet der IWF weltweit für das laufende Jahr. Und er richtet eine klare Mahnung an die Staatschefs.

Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft und Deutschland trüben sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter ein. Als Hauptgründe nennen die Experten die Schwankungen an den Finanzmärkten in den Industriestaaten sowie die Handelskonflikte - wie etwa zwischen den USA und China. Der IWF korrigierte seine Prognose deshalb erneut nach unten.

"Eine globale Rezession steht sicher noch nicht vor der Tür", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorstellung des Berichts in Davos. "Aber das Risiko eines stärkeren Rückgangs des weltweiten Wachstums ist sicherlich gestiegen."

2019 werde die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch um 3,5 Prozent steigen, heißt es in der Fortschreibung des IWF-Weltwirtschaftsberichtes. Die Prognose liegt um 0,2 Punkte unter der vom vergangenen Oktober - die ohnehin schon zurückgenommen worden war.

Handelskonflikte "eine der wesentlichen Risikoquellen"

Für 2020 sieht der IWF nun ein weltweites Wachstum von 3,6 Prozent voraus, 0,1 Punkte weniger als noch im Oktober prognostiziert. Die Situation könnte sogar noch etwas schlechter sein, sollte sich herausstellen, dass es aus Furcht vor der Einführung zusätzlicher Zölle einen Vorzieheffekt bei internationalen Bestellungen gegeben habe.

"Eine Eskalation von Handelskonflikten über die bisher bereits in der Prognose berücksichtigten hinaus bleibt eine der wesentlichen Risikoquellen für den Ausblick", schreibt der IWF. Darüber hinaus gebe es eine Reihe von Faktoren, die zu negativen Auswirkungen führen könnten, etwa ein ungeregeltes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU sowie eine über die Erwartungen hinausgehende Wirtschaftsabschwächung in China.

Autos für den Export vor der Verladung in Bremerhaven | Bildquelle: dpa
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Für Deutschland gilt auch die Autoindustrie als Risikofaktor

Problem in Deutschland: die Autoindustrie

Auch bezogen auf einzelne Länder korrigierte der IWF seine Prognose nach unten - vor allem für Deutschland. Nur noch 1,3 statt 1,9 Prozent Wachstum erwarten die Experten hier für das laufende Jahr. Für 2020 werden - wie im Oktober - 1,6 Prozent erwartet.

Als Risikofaktoren bewertet der IWF hier unter anderem "Produktionsschwierigkeiten in der Autoindustrie" - wohl auch vor dem Hintergrund der diversen Probleme rund um den Diesel. Außerdem werden die Hängepartie um einen EU-Austritt Großbritanniens und eine Haushaltsschieflage in Italien angeführt, die die Konjunktur in Europa allgemein gefährden könnten.

Shutdown ein Risiko für die USA

Für die USA werden für 2019 weiter 2,5 Prozent prognostiziert, während es 2020 nur noch 1,8 Prozent sein sollen. Zu den Gefahren für die amerikanische Konjunktur zählt der IWF - neben dem Handelsstreit mit China - einen länger anhaltenden Haushaltsstreit. Weil sich Republikaner und Demokraten nicht auf einen Etat einigen können, erhalten Hunderttausende Staatsbedienstete derzeit kein Geld. Dieser Shutdown gilt bereits seit dem 22. Dezember - und ist damit der bislang längste in der US-Geschichte.

Für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China sagt der IWF sowohl für dieses als auch für kommendes Jahr ein Plus von 6,2 Prozent voraus. 2018 war das Wachstum mit 6,6 Prozent so gering ausgefallen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. "Chinas Wachstumsverlangsamung könnte stärker ausfallen als erwartet, besonders wenn die Handelsspannungen anhalten", so die Experten.

Keine "schädlichen Barrieren" hochziehen

Der IWF mahnte zur internationalen Zusammenarbeit. Der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs sei geringer als vor der Finanzkrise 2008.

Die hauptsächliche politische Priorität für alle Staaten sei nun, "ihre Handelsstreitigkeiten und die daraus resultierende politische Unsicherheit gemeinsam und schnell zu lösen, statt schädliche Barrieren hochzuziehen und eine sich bereits abschwächende Weltwirtschaft weiter zu destabilisieren", heißt es in dem Bericht des IWF.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2019 um 17:41 Uhr.

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