Mitarbeiter montieren Komponenten an Porsche Macan und Panamera im Leipziger Porsche Werk. | dpa

Wirtschaftswachstum IWF senkt Prognose für Deutschland

Stand: 20.07.2022 17:04 Uhr

Die Wirtschaft in Deutschland wird wegen der Energiekrise wohl langsamer wachsen als erwartet. Der Internationale Währungsfonds rechnet nur noch mit einem Plus von 1,2 Prozent. Und der Trend dürfte sich fortsetzen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Washington

Anfang des Jahres sah es für die Konjunktur in Deutschland noch gut aus, betont der Internationale Währungsfonds (IWF). Doch die Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine hätten die Lage grundlegend verändert. Der IWF senkt seine Wachstumsprognose für Deutschland, und zwar deutlich.

Steffen Wurzel ARD-Studio Washington

Dieses und nächstes Jahr würden zu einer Herausforderung für die deutsche Wirtschaft, sagte IWF-Deutschlandexpertin Oya Celasun in Washington. Mit nur noch 1,2 Prozent Wachstum rechnen sie und ihr Team für dieses Jahr. Im Mai war der IWF noch von zwei Prozent Wachstum für die Bundesrepublik ausgegangen.

Größtes Problem: Unklare Gaslieferungen

Nächstes Jahr dürfte die Wachstumsrate nach Ansicht des Währungsfonds noch weiter sinken, auf dann 0,8 Prozent. Grund sind die Folgen des Ukraine-Kriegs, vor allem die Unsicherheiten bei der Energieversorgung und teurer gewordene Rohstoffe. Die größte Bedrohung für die deutsche Wirtschaft liege in der Tatsache, dass nicht klar sei, ob die russische Führung weiter Gas nach Deutschland liefern werde, sagte IWF-Analystin Oya Celasun.

Wenn kein russisches Gas mehr nach Deutschland fließe, werde das die deutsche Wirtschaft in beträchtlicher Art und Weise schaden - auch werde die Inflation dann noch weiter steigen.

Schuldenbremse aussetzen?

Von der Bundesregierung erwarten die IWF-Expertinnen und Experten mehr "fiskalpolitische Flexibilität", um der Wirtschaft zu helfen. Bundesfinanzminister Christian Lindner wird es nicht gerne hören, aber der Internationale Währungsfonds rechnet auch damit, dass die Bundesregierung erneut die Schuldenbremse aussetzen muss, um die Folgen der bevorstehenden Wirtschaftskrise zu bewältigen.

Dass sich die Bundesregierung um den verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien bemüht, begrüßt der IWF. Nötig sei noch mehr Tempo bei Investitionen in Richtung einer grünen Wirtschaft. Das werde der Konjunktur helfen.

Dieser Beitrag lief am 20. Juli 2022 um 17:03 Uhr auf BR24.