Kunde hält Smartphone - bezahlt wird per Scanner.  | Bildquelle: AFP

IWF berät über Bezahlsysteme Bargeld bald bedeutungslos?

Stand: 11.04.2019 11:38 Uhr

Der Internationale Währungsfonds diskutiert über Bezahlsysteme der Zukunft. Bargeld könnte schon bald bedeutungslos werden. Vorreiter beim digitalen Bezahlen sind afrikanische Länder.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Bargeldlos bezahlen - in vielen afrikanischen Ländern ist das Alltag. In den vergangenen Jahren Jahren sind dort Bezahlsysteme entstanden, die auf Mobiltelefonen laufen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, erklärte Patrick Njoroge, Chef der Zentralbank von Kenia.

Er berichtet, dass viele Transaktionen schon früh am Morgen beginnen - bei den Laden-Besitzerinnen: "Alles passiert am Mobiltelefon: Sie leihen Geld, beauftragen den Großhändler, bezahlen ihn, beauftragen dann den Lieferdienst. Dann wecken sie die Kinder und schicken sie zur Schule. Um halb sieben öffnen sie ihren Kiosk, mit den Waren bereit zum Verkauf."

Digitales Bezahlen bedroht Geldsysteme

Das zeige den sozialen Nutzen solcher Systeme. Gleichzeitig sind digitale Bezahlsysteme eine Herausforderung. Njoroge sagte, zuerst durfte der Mobilnetzanbieter das Bezahlsystem mit einer Ausnahmegenehmigung betreiben, bevor die Gesetze geändert wurden. Digitale Systeme bedrohen die bisherigen Geldsysteme, die auf Banken, Zentralbanken und umfangreichen Regeln basieren.

Die neuen Systeme sind besser - das ist die Meinung von Jeremy Allaire, Mitbegründer einer Firma für Crypto-Währungen. Zwar sei es für viele schwer, sich eine Welt vorzustellen, in der sie ihre Vermögen selbst verwalten, ohne eine Bank, in der sie Geld zu jemandem überall auf der Welt schicken können, ohne Risiko und Kosten. "Wenn Leute das einmal erleben, wollen sie nicht zurück."

Zahlen mit Smartphone und Apple Pay | Bildquelle: REUTERS
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Immer mehr Unternehmen bieten Apps zum digitalen Bezahlen an.

Banken könnten überflüssig werden

Allaires Vision ist ein offenes Bezahlsystem, ohne zentrale Kontrolle, basierend auf allgemeinen Standards. Banken und Zentralbanken könnten darin eine Rolle spielen - wären aber zunehmend überflüssig, besonders in Ländern mit angeschlagenen Währungen: "In Argentinien will ich digitale US-Dollar benutzen und niemand kann mich stoppen - das schafft Herausforderungen für Regierungen."

Für Zentralbänker wie Patrick Njoroge geht das zu weit. Digitale Lösungen - ja, aber es brauche vertrauenswürdige Institutionen: "Man will keinen Betrug. Es ist das eine, Dinge im Internet nachzuschauen und das funktioniert. Es ist etwas anderes, die Hälfte seines Geldes zu verlieren. Das ist eine Frage des Vertrauens."

EZB muss "Komfortzone" verlassen

Gleichzeitig ist den Zentralbanken klar, dass sie sich dem Wandel anpassen müssen. Die Europäische Zentralbank (EZB) zum Beispiel hat gerade ein neues, digitales Bezahlsystem eingeführt, das internationale Überweisungen erheblich beschleunigen könnte.

Benoît Cœuré ist bei der EZB für digitale Systeme verantwortlich. "Wenn das funktionieren soll, müssen wir unsere Komfortzone verlassen und mit anderen Regulierern sprechen." Dazu gehörten Datenschutzbeauftragte, Monopolwächter und Sicherheitsbehörden.

In einer Analyse des IWF heißt es, es sei noch zu früh für endgültige Schlussfolgerungen. Kosten, Risiken und technische Lösungen müssten weiter geprüft werden. Das liegt auch daran, dass sich regional unterschiedliche Systeme entwickeln: In Afrika gibt es die Bezahlsysteme der Mobilfunk-Anbieter, in China boomt das Bezahlen mit Social-Media-App. Die US-Amerikaner setzen dagegen auf Kreditkarten.

Ohne Scheine und Münzen? IWF diskutiert Zukunft des Geldes
Jan Bösche, ARD Washington
11.04.2019 11:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2019 um 05:41 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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