Türkische Lira  | Bildquelle: REUTERS

Türkische Lira Im Kampf gegen den freien Fall

Stand: 13.08.2018 13:02 Uhr

Die türkische Lira steht massiv unter Druck, der Kurs bricht weiter ein. Die Zentralbank versucht, die Banken im Land zu stützen. Präsident Erdogan bezichtigt ausländische Mächte.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Die türkischen Medien kennen kaum noch ein anderes Thema. Im Fernsehen äußern sich Wirtschaftswissenschaftler, in den Zeitungen dominiert die Währungskrise die Titelseiten. In den vielen regierungsnahen Medien ist Kritik an der Reaktion der türkischen Regierung darauf allerdings selten. Finanzminister Berat Albayrak hatte ja einen Aktionsplan angekündigt.

Der türkische Finanzminister Albayrak spricht während einer Pressekonferenz | Bildquelle: dpa
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Der türkische Finanzminister Albayrak hat einen Aktionsplan versprochen.

Zentralbank will Banken stützen

Die Zentralbank will dafür sorgen, dass Banken im Land flüssig bleiben. Der Wirtschaftsexperte Mert Yilmaz äußert sich vorsichtig: "Es war wichtig, dass die Maßnahmen vor der Öffnung der Märkte in Kraft traten. Aber dass die eigentlichen Probleme politische Gründe haben wegen den Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika, darf man nicht vergessen." Diese Maßnahmen könnten nur vorübergehend Entspannung bringen.

Der aktuelle Dollarkurs ist beispielsweise beim Fernsehsender "CNN Türk" immer eingeblendet. Er bleibt nach wie vor hoch im Vergleich zur Lira.

Türkei kämpft gegen anhaltenden Verfall der Landeswährung Lira
tagesschau 20:00 Uhr, 13.08.2018, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Erdogan spricht von Wirtschaftskrieg

Schuld hätten ausländische Mächte, wiederholt Präsident Recep Tayyip Erdogan unermüdlich. Er blieb auch am Wochenende dabei: Es werde ein Wirtschaftskrieg gegen die Türkei geführt.

Außerdem laufe im Netz eine Art Kampagne, behauptet Wirtschaftsexperte Yilmaz: "Es gibt Falschmeldungen und Manipulationen, sodass Kleinigkeiten als ein systemisches Problem dargestellt werden. Die sozialen Medien werden, ganz offen gesagt, dafür missbraucht."

Tatsächlich ist die Talfahrt der türkischen Lira beispielsweise bei Twitter Topthema. Das Innenministerium kündigte an, negative Kommentare zur Wirtschaft in sozialen Netzwerken zu verfolgen. Man habe in den letzten Tagen weit mehr als 300 Nutzerkonten mit provokanten Kommentaren zur Lira ausgemacht, hieß es.

Türkei will gegensteuern

Seit heute gelten die doppelten US-Strafzölle auf Stahl aus der Türkei. Präsident Erdogan versucht zu beschwichtigen, was mögliche Auswirkungen angeht: "Wir bereiten uns drauf vor, mit den Ländern, mit denen wir das größte Handelsvolumen haben - das sind zum Beispiel China, Russland, Iran und die Ukraine - in nationaler Währung zu handeln." Wenn europäische Länder vom Druck des Dollars befreit werden wollten, "sind wir bereit, ein ähnliches System mit ihnen zu schaffen".

Mit Russland läuft der Kontakt auf persönlicher Ebene. Außenminister Sergej Lawrow kommt heute zu seinem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu. Der ging heute auch auf die Beziehungen zu den USA ein: "Es ist uns unmöglich, die Sanktionen und Drohungen zu begreifen. Wir erwarten, dass sich die USA gemäß unserer traditionellen Freundschaft und unserer NATO-Mitgliedschaft entsprechend verhalten."

Mahnung und Appell an die USA

Die Türkei zeige guten Willen, um die Beziehungen zu den USA zu reparieren. "Wir haben stets auf konstruktives Engagement und auf Dialog bestanden. Durch Drohungen, Druck oder Sanktionen gegen die Türkei können sie nichts erreichen. Das müssten sie eigentlich schon gelernt haben", so Cavusoglu.

Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: REUTERS
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Der türkische Präsident Erdogan spricht nicht von einer Wirtschaftskrise.

Es droht eine Rezession

Auf Regierungsseite will kaum einer von Wirtschaftskrise sprechen, schon gar nicht Erdogan. Der vorsichtige Wirtschaftswissenschaftler Yilmaz kann sich an dem Punkt nicht zurückhalten: "Wenn wir das hier nicht in den Griff kriegen, gibt es in der türkischen Wirtschaft entweder eine Rezession, also sie muss sich wirtschaftlich verkleinern, oder noch gefährlicher: eine Stagflation."

Dann würde die Wirtschaft stagnieren, die Inflation aber weiter steigen. Für die Menschen in der Türkei würde das wohl bedeuten: Sie verdienen eventuell weniger und müssen Angst um ihre Jobs haben, die Preise würden aber steigen.

Kampf gegen die Währungskrise in der Türkei
Karin Senz, ARD Istanbul
13.08.2018 12:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 13. August 2018 Deutschlandfunk um 12:12 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

Korrespondentin

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Karin Senz, SWR

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