Türkische Lira  | Bildquelle: REUTERS

Nach Inkrafttreten von US-Zöllen Türkei stemmt sich gegen Lira-Verfall

Stand: 13.08.2018 11:08 Uhr

Die Türkei stemmt sich gegen den dramatischen Verfall der Lira. In einer Serie von Tweets versprach Finanzminister Albayrak einen "Aktionsplan". Nach langem Schweigen meldete sich auch die Notenbank zu Wort.

Nach einem weiteren Absacken der türkischen Landeswährung Lira an den Devisenmärkten hat der türkische Finanzminister Berat Albayrak schnelle Maßnahmen versprochen. In einer Serie von Tweets versprach er einen "Aktionsplan", der von heute an gelten sollte. Außerdem versprach Albayrak der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, dass Einlagen nicht beschlagnahmt und Devisen auf Bankkonten nicht in Lira umgewandelt würden.

Der türkische Finanzminister Albayrak spricht während einer Pressekonferenz | Bildquelle: dpa
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Der türkische Finanzminister Albayrak versprach einen "Aktionsplan".

Notenbank verspricht Liquidität

Nach langem Schweigen meldeten sich auch die Währungshüter des Landes zu Wort. Wie die Notenbank in Ankara mitteilte, wurden die Bestimmungen für Lira-Reserven gesenkt. Dadurch würden dem Finanzmarkt rund zehn Milliarden Lira, sechs Milliarden Dollar sowie Goldguthaben im Wert von drei Milliarden Dollar an Liquidität zugeführt. Zusätzlich zum Dollar könnten auch Euro zur Absicherung von Lira-Reserven genutzt werden.

Währungskrise in der Türkei verschärft sich
tagesschau 12:00 Uhr, 13.08.2018, Natalie Amiri, ARD Istanbul

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Die Notenbank teilte mit, die Märkte genau zu beobachten. Es würden alle Schritte ergriffen, um die Finanzstabilität zu sichern. Das half der Lira aber nur kurzfristig. Die türkische Währung legte zunächst zu, rutschte dann aber wieder ab.

Hilfen vom IWF?

Der Chef des Institut für Wirtschaftsforschung (IFO), Clemens Fuest, riet der Türkei in der aktuellen Krise, Hilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beantragen. "Wir müssen uns massiv Sorgen machen", schrieb er im "Handelsblatt". Die Ankündigung von US-Sanktionen gegen die Türkei, die seit Montagmorgen gelten, seien der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Allerdings sind IWF-Hilfen mit Auflagen für die Wirtschaftspolitik verbunden.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan lehnt allerdings eine Intervention des IWF ab. "Wir wissen sehr gut, dass die, die uns ein Geschäft mit dem IWF vorschlagen, uns eigentlich vorschlagen, die politische Unabhängigkeit unsere Landes aufzugeben", sagte er.

Maßnahmen gegen Negativ-Kommentare

Während die Türkei wirtschaftliche Maßnahmen gegen den Lira-Verfall einleitet, will das Land gegen negative Kommentare in sozialen Netzwerken vorgehen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen gegen solche Mitteilungen würden eingeleitet, teilte das türkische Innenministerium mit. Seit dem 7. August seien 346 Nutzerkonten auf sozialen Netzwerken ausgemacht worden, in denen der Verfall der Landeswährung Lira auf provozierende Art und Weise kommentiert wurde.

Mitverantwortung für die Krise übernahm Erdogan nicht. Er dementierte mehrmals, dass die türkische Wirtschaft in einer Krise stecke. "Das ist keine Wirtschaft, die bankrott geht, die untergeht oder die durch eine Krise geht", sagte er bei einer Ansprache in Rize.

Erdogan spricht vor Anhängern in Trabzon. | Bildquelle: AFP
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Der türkische Staatspräsident dementierte, dass die türkische Wirtschaft in einer Krise stecke.

Vorwurf "Wirtschaftskrieg"

Erdogan sprach in mehreren kämpferischen Reden von "Kampagnen" gegen sein Land und griff die USA erneut scharf an. "Ihr versucht, 81 Millionen Türken für einen Pastor zu opfern, der Verbindungen zu Terroristen hat", sagte er - ohne die USA direkt zu erwähnen. "Aber wir haben euren Plot durchschaut und fordern euch heraus." Was die USA mit Provokation nicht geschafft hätten, versuchten sie nun mit Geldpolitik zu erreichen. Es sei "ganz klar ein Wirtschaftskrieg".

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu verschärfte den Ton im Streit zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA. Die USA sollten lernen, dass es nichts bringe, die Türkei zu bedrohen, so Cavusoglu während einer Rede vor Botschaftern in Ankara.

Streit um inhaftierten Pastor

Im Zentrum der Affäre steht der Streit um zwei Geistliche. Die USA fordern die Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson, der wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgehalten wird. Die Türkei wiederum will, dass die USA den dort lebenden türkischen Prediger Fethullah Gülen ausliefern. Ihn macht Erdogan für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Nach der Eskalation des Streits in den vergangenen Wochen hatte US-Präsident Donald Trump per Twitter die Verdoppelung der Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei verkündet. Stahl aus der Türkei wird in den USA seit dem heutigen Montag mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt.

Die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei sollen nach Trumps Worten auf 20 Prozent verdoppelt werden. Für diese neuen Abgaben wurde noch kein Datum genannt.

Damit setzt sich der Kursverfall vom Freitag fort, als die Lira 15 Prozent zum Dollar verloren hatte. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust der Lira inzwischen fast 50 Prozent. Mittlerweile wird nach Einschätzung einiger Analysten an den Märkten schon die Möglichkeit einer Staatspleite durchgespielt.

Andrew Brunson | Bildquelle: AP
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US-Pastor Andrew Brunson in der Türkei: Die USA fordern seine Freilassung.

Neue Verbündete?

In einem Gastbeitrag in der "New York Times" hatte Erdogan zuvor den USA Respektlosigkeit vorgeworfen. Sollte das so weitergehen, werde seine Regierung damit beginnen, "nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen", schrieb Erdogan. Damit meint er unter anderem Russland.

Das nächste Treffen steht kurz bevor: Heute und morgen ist der russische Außenminister Sergej Lawrow in Ankara zu Besuch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2018 um 05:11 Uhr und 12:00 Uhr.

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