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DIW hebt Konjunkturprognose an "2013 wird es sogar noch besser"

Stand: 04.04.2012 15:17 Uhr

Das DIW hat seine Konjunkturprognose für dieses und nächstes Jahr deutlich erhöht. Trotz Eurokrise und hoher Ölpreise sieht DIW-Experte Ferdinand Fichtner "wirklich Anlass zu Optimismus" - vor allem die Binnennachfrage werde das Wachstum ankurbeln, sagt er im Interview mit tagesschau.de. Und im kommenden Jahr werde es "noch besser".

tagesschau.de: Ein Prozent Wachstum in diesem Jahr, 2,4 Prozent im nächsten - das DIW hat seine Konjunkturprognose deutlich angehoben. Worauf begründet sich Ihr Optimismus?

Ferdinand Fichtner: Der Optimismus liegt vor allem daran, dass wir in Deutschland eine ausgesprochen gute Arbeitsmarktsituation haben. Das ist Dreh- und Angelpunkt unserer Prognose, zumindest für dieses Jahr. Deswegen können wir damit rechnen, dass die Lohnabschlüsse beispielsweise in Deutschland dieses Jahr relativ kräftig sind. Diese höheren Lohnsteigerungen dürften sich in einem relativ kräftigen privaten Verbrauch niederschlagen. Das wird in diesem Jahr für ein Wachstum von einem Prozent sorgen.

Das klingt auf den ersten Blick gar nicht so wahnsinnig viel, gerade auch im Vergleich mit den drei Prozent des vergangenen Jahres. Aber das Gute ist: Die schwächeren Phasen liegen im Winterhalbjahr, und das haben wir schon fast hinter uns. Und der Blick nach vorne gibt wirklich Anlass zu Optimismus.

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Zur Person

Ferdinand Fichtner befasst sich mit der Analyse und Prognose der Wirtschaftsentwicklung und leitet beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Abteilung Konjunkturpolitik.

tagesschau.de: Die Eurozone steckt in einer tiefen Schuldenkrise. Warum schadet das der deutschen Wirtschaft nicht?

Fichtner: Gerade in diesem Jahr kann die deutsche Wirtschaft ganz deutlich auf die Binnennachfrage abstellen. In der Tat schwächeln die Exporte, und zwar nicht nur in die Eurozone, sondern weltweit, auch in die großen Schwellenländer wie China und Indien. Dadurch ist das Wachstum ein bisschen zögerlicher. Das alles wird aber dadurch kompensiert, dass die inländische Nachfrage ausgesprochen kräftig ist.

tagesschau.de: Und wie sieht die Situation im kommenden Jahr aus?

Fichtner: 2013 wird es sogar noch besser. Da haben wir dann beide Quellen des Wachstums - sowohl die kräftige inländische Nachfrage als auch die Exportnachfrage. Deswegen kommen wir da auch auf ein Wachstum von deutlich über zwei Prozent.

tagesschau.de: Gleichzeitig sind aber auch die Spritpreise so hoch wie nie. Ist das kein Risiko für das Wirtschaftswachstum?

Fichtner: Ein  Risiko ist es natürlich. Zunächst einmal gehen wir aber davon aus, dass die Ölpreise und damit vermutlich auch die Benzinpreise nicht wesentlich weiter steigen werden. Dafür sehen wir momentan wenigstens ökonomisch keinen wirklichen Anlass. Sie werden mir nachsehen, dass ich mich nicht dazu äußern kann und möchte, wie sich die Lage im Iran entwickelt. Klar ist, dass die starken Ölpreis-Steigerungen in der Vergangenheit vor allem politische Ursachen hatten. Das können wir auch dieses Mal nicht ausschließen.

Aber wenn wir sozusagen fundamental betrachtet die Ölpreise anschauen, dann müssten wir eher mit einem Rückgang rechnen und das dürfte sich dann zumindest im Laufe der Zeit auch in den Benzinpreisen niederschlagen. Von politischer Seite besteht sicherlich ein Risiko, wenn beispielsweise die Spannungen im Nahen Osten noch zunehmen sollten, aber ein Grundproblem ist es zunächst für sich genommen nicht.

Die Fragen stellte Kristina zur Mühlen.