Pleitewelle durch die Wirtschaftskrise "Es gibt derzeit keinen Silberstreif am Horizont"

Stand: 03.02.2010 16:08 Uhr

Die Wirtschaftskrise hat im vergangenen Jahr zahlreiche Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Insgesamt traten 185.000 Betriebe in Europa den Gang zum Insolvenzrichter an, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Das war ein Anstieg um 22 Prozent.

Firmenlogo des Porzellanherstellers Rosenthal
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Auch Rosenthal musste im vergangenen Jahr Insolvenzantrag stellen.

Besonders stark stieg die Zahl in Spanien, wo fast doppelt so viele Firmen zahlungsunfähig wurden wie im Vorjahr. In Irland waren es gut 80 Prozent mehr, in den Niederlanden und in Dänemark immerhin über die Hälfte mehr. In Mittel- und Osteuropa schnellten die Insolvenzen um 44 Prozent in die Höhe. Deutschland kam vergleichsweise glimpflich durch die Krise: Hier stieg die Zahl der Pleiten um 16 Prozent auf 34.300. Prominente Fälle waren etwa der einst größte deutsche Versandhändler Quelle, der Porzellanhersteller Rosenthal und die Unterwäschefirma Schiesser.

Krise hinterließ tiefe Spuren in den Bilanzen

"Es gibt derzeit keinen Silberstreif am Horizont", sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Die Finanzierungssituation der Betrieb sei prekär und die Geldbeschaffung schwierig. Die Wirtschaftskrise habe in den Bilanzen der Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Durch die schlechte Ertragslage hätten viele Betriebe zudem keine Kapitalrücklagen bilden können. Darüber hinaus verschärfe sich die Lage durch den Anstieg von Forderungsausfällen.

Auch in diesem Jahr ist keine Besserung in Sicht - im Gegenteil: Die Zahl der Firmenpleiten werde trotz der Konjunkturerholung auf 200.000 bis 210.000 steigen, prognostiziert Creditreform. 38.000 bis 40.000 dieser Firmen kämen aus Deutschland.

Ernst & Young sieht Gefahren für den Mittelstand

Schreiben zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens
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In Ostdeutschland sieht Ernst & Young jedes sechste Unternehmen gefährdet.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Trotz der Konjunkturbelebung stehe der deutsche Mittelstand vor einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen. Bei jedem zehnten Unternehmen könnte das Ausbleiben eines nachhaltigen Aufschwungs zu existenziellen Problemen führen. In Ostdeutschland sei sogar jede sechste Firma gefährdet. "Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind", sagte Ernst & Young-Experte Peter Englisch zu der Umfrage unter 3000 Unternehmen. "Eine solche Unterauslastung der Kapazitäten beschleunigt die Marktbereinigung."

Das könnte auch bisher gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. "Forderungsausfälle können durchaus zu Existenz bedrohenden Situationen führen." Dazu komme die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. "Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann jetzt kaum noch auf Entgegenkommen von Seiten der Banken hoffen."

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