Containerhafen in Duisburg | Bildquelle: picture alliance / dpa

P&R-Milliarden-Pleite Eine Million Container gab es wohl gar nicht

Stand: 17.05.2018 10:47 Uhr

Die Milliarden-Insolvenz der Anlagefirma P&R könnte sich zu einem Kriminalfall entwickeln. Nach Recherchen von WDR und "SZ" wurden Sparern wohl eine Million Schiffscontainer verkauft, die es gar nicht gab.

Von Massimo Bognanni, WDR

Seit Mitte März gräbt sich der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé durch die Akten der Investmentfirma P&R. Rund 54.000 Anleger hatten über P&R etwa 3,5 Milliarden Euro in Schiffscontainer investiert.

Nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" liegt dem Juristen nun eine erste Analyse vor. Demnach standen rund 1,6 Millionen Schiffscontainern, die P&R an Anlegern verkauft hatte, lediglich 600.000 gegenüber. Mit anderen Worten: Eine Million Container, die an Anleger verkauft wurden, existierten womöglich gar nicht. Die Milliarden-Pleite könnte sich damit zu einem Kriminalfall entwickeln. Die Staatsanwaltschaft München hat offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Für Jaffé bestätigen sich damit die ersten Befürchtungen. "Die Auswertung hat die ersten Vermutungen bestätigt, dass die Zahl der vorhandenen und vermieteten Container zum heutigen Stand deutlich unter derjenigen liegt, die in Summe von den vier deutschen Gesellschaften an die Anleger verkauft worden sind", heißt es in einer Stellungnahme des Insolvenzverwalters.

Eine Anlage mit scheinbar niedrigem Risiko

Vor zehn Jahren begannen demnach die Fehlentwicklungen. Während der Wirtschafts- und Finanzkrise brach auch das Containergeschäft ein. In jener Zeit verkaufte P&R offenbar zahlreiche Container, die ungenutzt Lagerkosten verursachten. Das Problem: Zeitgleich wurden wohl weitere Anleger für neue Containerkäufe angeworben.

Von außen wirkte das Geschäft der Investmentfirma P&R über Jahrzehnte so wohltuend anders, als die vielen anderen Finanzprodukte auf dem grauen Kapitalmarkt, die kaum ein Sparer mehr verstand. Bei P&R kauften die Anleger Schiffscontainer. Mehr als 50.000 steckten ihr Geld in die Metallboxen, P&R mietete sie anschließend zurück. Während die Container über die Weltmeere schipperten, kassierten die Anleger die Miete. Nach ein paar Jahren kaufte P&R die Container zu einem festgelegten Preis zurück. Gefühlt pendelte das Risiko irgendwo zwischen Sparbuch und Staatsanleihe. Über 40 Jahre Jahre lang sammelte P&R mit diesem Modell Milliarden ein – überwiegend bei Sparern, die ihren 60. Geburtstag schon hinter sich hatten.

Aufarbeitung wird dauern

Die Anleger werden nun wohl Geduld aufbringen müssen. Jaffés Ermittlungen könnten noch Jahre in Anspruch nehmen. Hierzu erklärt der Insolvenzverwalter: "Die Aufarbeitung wird auch dadurch erschwert, dass der Geschäftsführer, der die Geschäfte teilweise seit mehr als zehn Jahren geführt hatte, heute nicht mehr zur Verfügung steht, da er im Mai 2016 überraschend verstorben ist." Der vorläufige Insolvenzverwalter bittet die Betroffenen um Ruhe. Forderungsanmeldungen seien erst nach Eröffnung des Verfahrens möglich.

Über dieses Thema berichtete der NDR am 26. März 2018 um 19:30 Uhr in der Sendung "Hallo Niedersachsen". Am 17. Mai 2018 berichtete B5 aktuell (BR Hörfunk) um 12:38 Uhr.

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