Fleisch | Bildquelle: dpa

Inflation steigt nur langsam Verbrauchers Freud, Ökonomens Leid

Stand: 16.01.2020 10:35 Uhr

In Deutschland sind die Preise 2019 so langsam gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. Die Inflationsrate lag bei 1,4 Prozent. Was Verbraucher freuen dürfte, betrachten Ökonomen mit Sorge.

Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr verlangsamt. Die Inflationsrate lag im Jahresschnitt bei 1,4 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bremsten sinkende Preise für Heizöl und Kraftstoffe den Anstieg der Verbraucherpreise Auch Nahrungsmittel verteuerten sich ingesamt nur moderat, deutlich mehr kostete jedoch Fleisch.

Energie verteuerte sich insgesamt um 1,4 Prozent, ein Jahr zuvor hatten die Preise noch um 4,6 Prozent angezogen.

Günstiger im Vergleich zum Vorjahr war 2019 auch leichtes Heizöl: Der Preis sank um 2,5 Prozent. | Bildquelle: dpa
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Günstiger im Vergleich zum Vorjahr war 2019 auch leichtes Heizöl: Der Preis sank um 2,5 Prozent.

Auch 2020 nur leichter Preisanstieg erwartet

Verglichen mit dem Vorjahr schwächte sich der Anstieg der Teuerungsrate deutlich ab: Für 2018 hatten die Statistiker eine Jahresinflation von 1,8 Prozent errechnet.

Ökonomen erwarten auch 2020 nur einen leichten Anstieg der Preise. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr unter der Zwei-Prozent-Marke verharren wird. Das Ifo-Institut rechnet für 2020 mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent, die 2021 auf 1,6 Prozent klettern soll.

Ziel ist Inflationsrate von zwei Prozent

Seit Anfang 2014 stiegen die Löhne und Gehälter kontinuierlich stärker als die Verbraucherpreise. Die Verbraucher dürfte das freuen. Doch Ökonomen blicken mit Sorge darauf, dass Deutschland weiter hinter dem selbst gesteckten Ziel einer Inflationsrate in Höhe von zwei Prozent zurück bleibt.

Denn dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu verleiten, Investitionen aufzuschieben. Wer damit rechnet, dass die Preise weiter sinken, lässt sich mit größeren Anschaffungen mehr Zeit - und gibt sein Geld vorerst nicht aus. Das lähme die Wirtschaft, erklären Ökonomen.

Wie Schmiermittel sollen dagegen moderat steigende Preise wirken: Wer davon ausgeht, dass vieles bald teurer wird, bringt sein Geld in Umlauf und kauft lieber sofort, als später höhere Preise zu zahlen.

EZB diskutiert über mehr Flexibilität

Deswegen verfolgen viele Zentralbanken weltweit das Ziel, die Inflationsrate bei etwa zwei Prozent zu halten. Die Europäische Zentralbank zum Beispiel hat sich den Kurs verordnet, dass die Preissteigerungen "unter, aber nahe zwei Prozent" liegen sollen.

Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. | Bildquelle: AFP
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Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat eine Diskussion angestoßen, statt des Zwei-Prozent-Ziels einen flexibleren Korridor als Inflationsziel festzulegen.

Unter der seit November amtierenden EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist jedoch eine Diskussion in Gang gekommen, ob es nicht sinnvoller wäre, einen etwas breiteren Korridor als Inflationsziel festzulegen.

Sparer fürchten Niedrigzins

Um die Inflationsrate bei einer Zielgröße zu halten, kann die Zentralbank die Leitzinsen anheben oder senken. Im Moment liegt der Leitzins bei null Prozent. Sparer, die auf derzeit sehr niedrig verzinste Tages- und Festgeldkonten setzen, verlieren trotz der niedrigen Inflation bares Geld.

Nach Berechnungen der Commerzbank-Tochter Comdirect lag der Realzins - also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate - 2019 bei minus 1,29 Prozent. Demnach verloren Sparer in Deutschland im vergangenen Jahr 30,3 Milliarden Euro wegen niedrig verzinster Einlagen.

Seit Ende 2010 haben Sparer dieser Berechnung zufolge durch Niedrigzins und Inflation 134,6 Milliarden Euro eingebüßt - das sind 1638 Euro pro Bundesbürger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2020 um 10:00 Uhr.

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