Wasserrohre werden in einen Schacht am Anfang eines Medientunnels herabgelassen. | picture alliance/dpa

Berechnungen des IfW Inflation kostet den Staat Milliarden

Stand: 29.12.2021 13:09 Uhr

Den "Inflationsschock" bekommen nicht nur die Verbraucher in ihrem Portemonnaie zu spüren. Auch der deutsche Staat leidet. Für den Bau von Straßen und Gebäuden muss er deutlich mehr zahlen.

Laut der Bundesbank dürfte die Inflation in diesem Jahr um 3,2 Prozent gestiegen sein. Die rasant gestiegene Teuerungsrate kommt nicht nur die Verbraucher, sondern auch die öffentliche Hand teuer zu stehen. Der deutsche Staat muss zusätzliche Milliardenkosten verkraften. "Unter dem Strich bleibt ein Minus von etwa fünf Milliarden Euro", sagte heute der Steuerexperte des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Jens Boysen-Hogrefe.

Höhere Kosten für Bauinvestitionen und Bürobetrieb

Zwar beschert die hohe Inflation dem Staat mehr Einnahmen bei der Mehrwertsteuer. Andererseits muss er selbst höhere Preise für Bauinvestitionen und den Betrieb der Büros von Behörden und Ministerien bezahlen. "Mit Blick auf Konsum und Investitionen hat die starke Inflation tatsächlich dem Staat in der Summe eher geschadet“, glaubt IfW-Experte Boysen-Hogrefe.

So führt die hohe Teuerungsrate zu 1,3 Milliarden Euro an Mehrkosten beim Bau von Straßen und Gebäuden. Bund, Länder und Kommunen investieren hier alljährlich rund 50 Milliarden Euro.

Am stärksten spürt der Staat die hohe Inflation beim Betrieb der Behörden und Ministerien. Für neue Büroausstattung, Strom und Heizkosten sowie Sprit für Dienstfahrzeuge mussten rund sieben Milliarden Euro mehr ausgegeben werden, schätzt der IfW-Forscher Boysen-Hogrefe.

Nur 700 Millionen Euro mehr an Mehrwertsteuer-Einnahmen

Dem gegenüber stehen höhere Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, da diese mit den gestiegenen Verbraucherpreisen automatisch zulegen. Diese Mehreinnahmen dürften sich auf etwa 700 Millionen Euro belaufen, schätzt Boysen-Hogrefe. Weitere knapp 2,5 Milliarden Euro dürften die höheren Preise dem Staat bei privaten Bauinvestitionen in die Kassen gespült haben.

Als Basis für seine Berechnungen nahm der IfW-Experte die für dieses Jahr erwartete durchschnittliche Teuerungsrate des privaten Konsums von rund drei Prozent. Er verglich diese mit dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Dabei hat Boysen-Hogrefe zusätzlich noch den Sondereffekt aus der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer herausgerechnet. Dadurch bleibt eine bereinigte Inflationsrate von 2,3 Prozent übrig.

Verbraucher leiden am meisten unter der Inflation

Die größten Leidtragenden der rasant gestiegenen Inflation sind aber die Verbraucher. Sie mussten deutlich mehr Geld für Sprit an der Zapfsäule, Heizen und Strom zuhause und Lebensmittel bezahlen. Und auch 2022 dürfte es kaum Entlastung geben. Die Bundesbank rechnet mit einem Anziehen der Inflation auf 3,6 Prozent. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft tragen ärmere Haushalte und Rentner die Hauptlast der Inflation.

Über dieses Thema berichtete MDR am 30. November 2021 um 20:15 Uhr.