Ein Stapel Geldscheine | Bildquelle: dpa

Nach Mehrwertsteuersenkung Inflationsrate auf Tiefstand

Stand: 13.10.2020 09:49 Uhr

Die Mehrwertsteuer-Senkung und fallende Energiepreise haben im September zur niedrigsten Inflationsrate seit mehr als fünf Jahren geführt. Bereits im Juli hatte das Statistische Bundesamt einen negativen Wert errechnet.

Die Inflation in Deutschland ist zum zweiten Mal in diesem Jahr unter die Nullmarke gerutscht. Gedämpft von der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung lagen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit vorläufige Daten.

Eine niedrigere Rate hatte es zuletzt im Januar 2015 mit minus 0,3 Prozent gegeben. Eine negative Jahresinflation hatten die Statistiker in diesem Jahr bereits im Juli mit minus 0,1 Prozent errechnet.

Mehrwertsteuersenkung macht sich bemerkbar

Ein Grund für die niedrige Rate ist die Mehrwertsteuer, die sich im Vorjahresvergleich dämpfend auf die Verbraucherpreise auswirkt. Die Mehrwertsteuer ist seit Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 Prozent abgesenkt, der ermäßigte Steuersatz von sieben auf fünf Prozent. Damit will die Bundesregierung den in der Corona-Pandemie eingebrochenen Konsum ankurbeln. Händlern und Dienstleistern steht es aber frei, ob und wie sie die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucher weitergeben.

Energie günstiger

Während sich Waren im September binnen Jahresfrist um 1,7 Prozent verbilligten, verteuerten sich Dienstleistungen um ein Prozent. Energie war für die Verbraucher um 7,1 Prozent günstiger zu haben. Im Vorjahresvergleich verringerten sich insbesondere die Preise für Heizöl (minus 39,6 Prozent) und Kraftstoffe (minus 11,4 Prozent).

Nahrungsmittel teurer

Die Preise für Nahrungsmittel hingegen erhöhten sich binnen eines Jahres um 0,6 Prozent. Teurer waren im September 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat vor allem Obst (plus 4,3 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (plus 4,1 Prozent), billiger dagegen Gemüse (minus 5,2 Prozent). 

Ein Kunde steht vor einem Kühlregal im Supermarkt | Bildquelle: dpa
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Obst und Fleisch waren im September teurer, Gemüse billiger.

Mehr Geld musste man für Tabakwaren ausgeben (plus 5,7 Prozent). Günstiger hingegen waren auch einige Gebrauchsgüter wie unter anderem Telefone (minus 6,1 Prozent) sowie Geräte der Unterhaltungselektronik (minus 4,4 Prozent).

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mit seinen 19 Staaten mittelfristig eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist nach Einschätzung der Währungshüter weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn sind Preise dauerhaft niedrig oder sinken auf breiter Front, könnte dies Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben - im Glauben, dass es womöglich ja bald noch billiger wird. Diese abwartende Haltung kann die Konjunktur ausbremsen.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Inflation in Deutschland im nächsten Jahr wieder anzieht, wenn der Sondereffekt der Mehrwertsteuersenkung ausläuft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.

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