Blick über einen Container Terminal im Hamburger Hafen. | dpa

Export- und Produktionszahlen Industrie profitiert vom China-Boom

Stand: 08.01.2021 11:30 Uhr

Die deutschen Exporte sind im November bereits den siebten Monat in Folge gewachsen. Für das Gesamtjahr rechnen Experten wegen der Corona-Pandemie allerdings mit einem kräftigen Rückgang.

Die deutsche Wirtschaft bleibt auch im November auf Erholungskurs. Die Exporte stiegen um unerwartet kräftige 2,2 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Prognosen der Fachleute wurden dabei deutlich übertroffen.

"Weder der leichte Lockdown in Deutschland selbst noch die verschärften Restriktionen in einigen Nachbarländern haben die deutsche Industrie im November beeinträchtigt, meint ING-Experte Carsten Brzeski. Die Hoffnung bleibe, dass die Wirtschaft im vierten Quartal einen 'Double Dip' vermeiden könne.

China als Wachstumstreiber  

Als ein Mitgrund für die starken Zahlen wird von Fachleuten der chinesische Markt genannt: "Vor allem die Exporte nach China boomen", stellt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, fest. Die Nachfrage nach deutschen Autos steige dort, während auch deutsche Maschinenbauer mit ihren Produkten gefragt seien. "Einmal mehr zeigt sich: Geht es China gut, profitiert Deutschland", so Gitzel.

Aber die positiven Daten zeigen auch, wie weit der Weg noch bis zum Vorkrisenniveau ist. Denn trotz der Aufholjagd blieben die Ausfuhren um 4,7 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen. Der Branchenverband BGA rechnete zuletzt mit einem Exportrückgang von mindestens zwölf Prozent im Gesamtjahr. Im Jahr 2019 hatte Europas größte Volkswirtschaft noch Waren im Wert von mehr als 1,3 Billionen Euro exportiert.

Industrieproduktion steigt weiter

Auch die Produktionsdaten der Industrie unterstützen das erhoffte Erholungsszenario: Die gesamte Produktion, damit sind Industrie, Bau und Energieversorger gemeint, zog laut Bundeswirtschaftsministerium um 0,9 Prozent zum Vormonat an. "Der Ausblick für die Industriekonjunktur bleibt angesichts des Pandemiegeschehens und des verschärften Lockdowns zwar verhalten, aber die Auftragslage und die Stimmung in den Unternehmen haben sich zuletzt verbessert", teilt das Ministerium mit.  

Die Produktionserwartungen der Industrie für die kommenden Monate haben sich zuletzt jedoch etwas eingetrübt. Das Konjunkturbarometer des Ifo-Instituts fiel im Dezember von 5,6 auf 4,5 Punkte. "Das Bild in den Branchen ist dabei sehr differenziert, kommentierte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Während der Indikator für die Pharmindustrie stark eingebrochen ist und die Autoindustrie ebenfalls zu kämpfen hat, senden Textilwirtschaft und Möbelhersteller starke Erholungssignale.     

Ein Mitarbeiter geht mit einem Mund- und Nasenschutz an Fahrzeugen in der Produktion vorbei. | dpa

Die Autoindustrie könnte noch zu kämpfen haben. Bild: dpa

"Nur eine Seite der Medaille"

"Beim reinen Blick auf die Industrie- und Außenhandelsdaten würde man nicht glauben, dass Deutschland derzeit eine der schwierigsten Phasen der Nachkriegsgeschichte durchläuft", kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, die aktuellen Konjunkturdaten.

Allerdings zeige die Entwicklung in der Industrie nur eine Seite der Medaille, unterstreicht der Experte: "Die andere Seite ist, dass Teile des Dienstleistungsbereichs allen voran das Hotel- und Gaststättengewerbe und der Freizeitsektor massiv unter den Eindämmungsmaßnahmen leiden."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Januar 2021 um 10:39 Uhr.