Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | Bildquelle: dpa

Nach Corona-Einbruch Deutsche Industrie erholt sich leicht

Stand: 06.07.2020 15:28 Uhr

Nach dem heftigen Rückgang durch die Corona-Pandemie erhält die Industrie wieder mehr Aufträge. Auch die Konsumlaune hat sich verbessert. Allerdings bangt ein Fünftel der Unternehmen um die Existenz.

Die deutsche Industrie hat im Mai nach dem Einbruch in der Corona-Krise wieder deutlich mehr Aufträge erhalten. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag der Auftragseingang 10,4 Prozent über dem Niveau des Vormonats.

Erholung unter Markterwartung

Im Jahresvergleich allerdings gingen die Bestellungen dagegen immer noch drastisch um 29,3 Prozent zurück. Trotz der Erholung wurden die Markterwartungen enttäuscht. Analysten hatten im Schnitt für Mai einen höheren Anstieg im Monatsvergleich und einen geringeren Rückgang im Jahresvergleich erwartet.

Wie stark die Industrie durch die Corona-Krise belastet worden ist, zeigt der Vergleich mit dem Vorkrisenniveau: Gegenüber Februar liegt der Auftragseingang immer noch gut 30 Prozent niedriger, wie das Statistikamt mitteilte. In der Autoindustrie liegen die Bestellungen halb so hoch wie vor der Krise.

Aus dem Inland erhielt die Industrie im Mai 12,3 Prozent mehr Aufträge als im April, aus dem Ausland kamen 8,8 Prozent mehr Bestellungen. Die Aufträge aus der Eurozone erhöhten sich mit knapp 21 Prozent wesentlich stärker als von außerhalb der Eurozone. Dort waren sie in den beiden Monaten zuvor aber auch etwas weniger stark eingebrochen. Nach Güterart erhöhten sich besonders deutlich die Bestellungen von Investitionsgütern wie Maschinen.

Wirtschaftsministerium sieht Talsohle durchschritten

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, die Industrie habe den Tiefpunkt ihrer Rezession durchschritten und verwies dabei besonders auf die Autobranche und deren Auftragsplus im Mai von über 40 Prozent. Insgesamt aber zeige "das nach wie vor niedrige Orderniveau", insbesondere aus dem nichteuropäischen Ausland, "dass der Aufholprozess noch lange nicht abgeschlossen ist".

"Das Schlimmste liegt hinter uns", kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. "Die guten Daten sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise längst noch nicht abgeschüttelt ist", so Gitzel. So lasse die rasche Ausbreitung des Coronavirus in den USA wenig Gutes erwarten. Auch die stellenweise noch immer unterbrochenen internationalen Lieferketten dürften sich noch längere Zeit negativ bemerkbar machen. "Die deutsche Industrie wird also noch geraume Zeit an den Folgen des Virus knabbern."

Konsumlaune der Deutschen steigt

Verbessert hat sich auch die Konsumlaune der Verbraucher. Das vom Handelsverband Deutschland (HDE) veröffentlichte Konsumbarometer kletterte im Juli von 93,5 Punkten im Vormonat auf nun 96,3 Punkte und damit nahezu auf den Stand von April.

Ein ähnliches Bild zeichneten die staatliche Förderbank KfW und das Münchner Ifo-Institut in ihrem Mittelstandsbarometer. Demnach stieg das Geschäftsklima im Mittelstand im Juni deutlich, auch die Großunternehmen "gehen davon aus, das Allergröbste inzwischen hinter sich gelassen zu haben". Dennoch sei die Stimmung noch deutlich vom Niveau vor Ausbruch der Pandemie entfernt.

Ein Fünftel der Unternehmen bangt um Existenz

Laut dem Ifo-Institut sieht zudem jedes fünfte Unternehmen in Deutschland sein wirtschaftliches Überleben in der Corona-Krise gefährdet. 21 Prozent der im Juni befragten Firmen stuften die Beeinträchtigungen infolge der Pandemie als existenzbedrohend ein. Eine "Insolvenzwelle" in den kommenden Monaten sei daher nicht ausgeschlossen.

Besonders betroffen sind laut den Forschern Dienstleistungsbetriebe, von denen sich insgesamt 27 Prozent als gefährdet einstuften. "Besonders wackelig" sind demnach Reisebüros und -veranstalter. 85 Prozent von ihnen bangen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Bei Beherbergungsbetrieben beträgt der Anteil 76 Prozent, in der Gastronomie 67 Prozent. "Aber auch 55 Prozent der Kreativen, Künstler und Unterhalter sehen ihre Existenz bedroht", warnte das Ifo-Institut.

Im Handel stuften sich den Angaben zufolge insgesamt 18 Prozent der befragten Unternehmen als gefährdet ein, darunter besonders Einzelhändler. In der Industrie betrug der Anteil 17 Prozent - hier zeigten sich die Metallbranche mit 53 Prozent sowie die Textilhersteller mit 38 Prozent besonders betroffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2020 um 17:00 Uhr.

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