Die ILO-Zentrale in Genf

UN-Organisation stellt Bericht zu Jugendarbeitslosigkeit vor ILO warnt vor "verlorener Generation"

Stand: 12.08.2010 12:27 Uhr

Die weltweit hohe Jugendarbeitslosigkeit droht nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eine "verlorene Generation" hervorzubringen. "Die Jugendarbeitslosigkeit in der Welt hat das höchste jemals registrierte Niveau erreicht und droht im laufenden Jahr weiter zu steigen", heißt es in einer ILO-Studie. Die Arbeitslosenquote sei von 11,9 Prozent im Jahr 2007 auf 13,0 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen und dürfte sich 2010 erneut leicht auf 13,1 Prozent erhöhen. Erst für das kommende Jahr sei von einem moderaten Rückgang auf 12,7 Prozent auszugehen. Weltweit sind demnach offiziell 81 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren als arbeitssuchend registriert.

Armut trotz Jobs - Tageslöhne von unter einem Euro

Vor allem in den Entwicklungsländern seien junge Menschen von "unzureichenden Arbeitsangeboten" betroffen, heißt es in dem Bericht. Selbst jene, die noch einen Job hätten, müssten sich angesichts der angespannten Lage oft mit niedrigeren Löhnen oder mit einer sporadischen Beschäftigung begnügen. Für das Jahr 2008 weist die Statistik 152 Millionen Jugendliche oder junge Erwachsene aus, die der Armut trotz einer Beschäftigung nicht entkommen können, weil sie weniger als einen Euro am Tag verdienen. Das sind 28 Prozent dieser Generation.

Die ILO-Zentrale in Genf

Die ILO-Zentrale in Genf

Aber auch in Europa oder den USA stellt die Arbeitsorganisation einen deutlichen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit fest. Fast die Hälfte der 7,8 Millionen seit 2007 hinzugekommenen jungen Erwerbslosen stamme aus Süd-, Ost-, oder Mitteleuropa. Besonders betroffen sind demnach Länder wie Estland, Lettland oder Litauen, aber auch Spanien. In den USA erhöhte sich den Angaben zufolge die Arbeitslosenquote dieser Generation um acht Prozentpunkte auf 18 Prozent.

Stichwort

Die Internationale Arbeitsorganisation (engl. International Labour Organization) wurde 1919 mit dem Ziel gegründet, weltweit Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, zu sozialem Ausgleich und sozialer Gerechtigkeit beizutragen sowie die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zu unterstützen.

Die ILO beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Arbeitsbedingungen in ihren 182 Mitgliedstaaten. Sie erarbeitet zum Beispiel Standards für den Mutterschutz, für gesetzliche Altersgrenzen oder für den Schutz von befristeten Angestellten. Sie gibt Empfehlungen an ihre Mitglieder. Die Länder informieren die ILO über die Umsetzung der von ihnen ratifizierten Übereinkommen sowie über den Stand ihrer nationalen Gesetzgebung in Bezug auf das Arbeitsrecht und den Arbeitsschutz.

Quote in Deutschland bei elf Prozent

In den Industrieländern lag die Quote insgesamt bei 17,7 Prozent und damit über dem internationalen Durchschnitt. Regional betrachtet liegen vor allem Süd- und Ostasien deutlich unter dem Welt-Durchschnitt. Am stärksten verbreitet ist Erwerbslosigkeit bei jungen Leuten im Nahen Osten und Nordafrika mit Gesamtquoten dieser Regionen von deutlich über 20 Prozent. Hier droht nach Einschätzung der ILO 2011 zudem ein weiterer Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, während sie überall sonst ab dem kommenden Jahr wieder zurückgehen dürfte. In Deutschland betrug sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts elf Prozent, damit wurde der nationale Höchststand aus dem Jahr 2005 von 15,2 Prozent unterschritten.

In einigen Regionen dürften die Zahlen zudem noch höher liegen, da die ILO-Studie die offiziellen nationalen Statistiken auswertet.