Ein Volkswagen Logo spiegelt sich in einer Rolltreppe in der Autostadt am Volkswagen Stammwerk. | picture alliance/dpa

Druck auf VW steigt IG Metall für Rückzug aus Xinjiang

Stand: 17.06.2022 11:39 Uhr

Bislang hält VW an seiner Fabrik in der Region Xinjiang in China fest, in der Menschen unterdrückt werden, die der muslimischen Minderheit der Uiguren angehören. Nun fordert die IG Metall den Rückzug.

Die Gewerkschaft IG Metall fordert von Volkswagen, sein Werk in der Uiguren-Region Xinjiang in China zu schließen. Inzwischen gebe es kaum einen Zweifel daran, dass in dieser Region Menschenrechtsverletzungen stattfänden, erklärte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann den "Wolfsburger Nachrichten". Er selbst ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von VW.

Keine Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen bei VW

Wegen dieser Menschenrechtsverletzungen müsse sich der Konzernvorstand mit dem Thema befassen. Zwar gebe es aktuell keinen Hinweis darauf, dass es bei VW selbst zu Menschenrechtsverletzungen gekommen sei. "Dennoch ist insgesamt die Frage zu stellen, was es für das Renommee des Unternehmens bedeutet, dort weiter investiert zu sein", zitierte die Zeitung Hofmann.

Volkswagen betreibt seit 2013 zusammen mit dem chinesischen Staatskonzern Saic eine Fabrik in der Stadt Urumqi. China ist der größte Absatzmarkt von Volkswagen.

Werk von Volkswagen im westchinesischen Urumqi (Xinjiang). | picture alliance / dpa

Das Werk von Volkswagen im westchinesischen Urumqi (Xinjiang). Bild: picture alliance / dpa

Nicht nur auf "den eigenen Vorgarten" schauen

VW könne nicht nur darauf schauen, was im eigenen "Vorgarten" los sei, sondern müsse auch darauf achten, in welcher "Straße" er wohne. Gewerkschaftschef Hofmann sieht Handlungsbedarf. Der Konzern müsse sich sichtbar und unmissverständlich gegen Menschenrechtsverletzungen positionieren.

Wenn rechts und links sichtbar Menschenrechtsverletzungen passieren, verlange ich Handeln.

VW: Verbesserung der Situation der Uiguren

Der Konzern steht schon seit Langem wegen seiner Präsenz in der Uiguren-Region in der Kritik, hat dies aber immer wieder mit dem Argument zurückgewiesen, seine Anwesenheit dort trage dazu bei, dass sich die Situation der Menschen verbessere. In einer Stellungnahme zum dem Bericht erklärte der Konzern: "Uns sind keine Fälle bekannt, dass Mitarbeiter des Unternehmens Saic Volkswagen in Internierungslagern waren oder sind."

In der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas lebt die muslimische Minderheit der Uiguren, die vom chinesischen Staat unterdrückt wird. Jüngst hatten erneut Berichte über Internierungslager dort für Schlagzeilen gesorgt. Darin war auch von einem geheimen Schießbefehl in den Lagern die Rede.

Keine Investitionsgarantien für VW

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Volkswagen unlängst Investitionsgarantien für China im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen verwehrt. Mit dem Thema dürfte sich auch das Aufsichtsratspräsidium befassen, das Insidern zufolge nächste Woche tagt. In dem Gremium sitzt auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SDP). Im Oktober wird in dem Bundesland ein neuer Landtag gewählt.