IG-Metall-Chef Jörg Hofmann auf der Bühne während des Gewerkschaftstages in Nürnberg. | Bildquelle: dpa

Wiederwahl von Hofmann Schwaches Ergebnis für IG-Metall-Chef

Stand: 08.10.2019 14:46 Uhr

Mit dem zweitschwächsten Ergebnis in der Geschichte der IG Metall ist Jörg Hofmann zum Chef der Gewerkschaft wiedergewählt worden. Das Ergebnis überrascht. Nach außen galt Hofmann bisher nicht als umstritten.

Jörg Hofmann bleibt weitere vier Jahre Vorsitzender der IG Metall - sein Wahlergebnis war jedoch überraschend schwach. Die Delegierten der größten Einzelgewerkschaft der Welt bestätigten den 63 Jahre alten Württemberger beim Gewerkschaftstag in Nürnberg mit nur 71 Prozent der Stimmen im Amt. 131 der 478 abstimmenden Delegierten votierten gegen Hofmann, der der einzige Kandidat für den Vorsitz war.

Damit ist das heutige Ergebnis das schlechteste für einen IG-Metall-Vorsitzenden seit 2003. Damals hatte sich Jürgen Peters im Machtkampf gegen Berthold Huber durchgesetzt und 66,1 Prozent der Delegiertenstimmen auf sich vereint.

Hofmann selbst bezeichnete das Ergebnis als "enttäuschend, aber ehrlich". Es zeige, in welchem Spannungsfeld die IG Metall stehe.

Rätselraten über schlechtes Abschneiden

Hofmann ist seit 2015 Gewerkschaftschef. Vor vier Jahren hatte er noch 91,3 Prozent der Stimmen erhalten. Hofmann gilt als ausgewiesener Tarifexperte. Er sitzt als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten von VW und Bosch.

Das schwache Abschneiden war so nicht erwartet worden. Unter den Delegierten herrschte nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnis Rätselraten. Als möglicher Grund für Skeptiker gilt Hofmanns vergleichsweise hohes Alter. Er wird bei einer vollständigen Amtszeit bis zum Alter von fast 68 Jahren im Amt bleiben.

Unzufriedenheit wegen Einsatzes für Klimaschutz

In Ostdeutschland herrscht vereinzelt Unzufriedenheit, weil die IG Metall dort die 35-Stunden-Woche nicht durchsetzen konnte. Aber auch insgesamt steht die Gewerkschaft vor gewichtigen Problemen: Die IG-Metall-Führung hat sich klar zum Klimaschutz bekannt, was teilweise Unzufriedenheit bei den Arbeitern aus der Schwerindustrie ausgelöst hat.

Als Hofmanns Stellvertreterin wurde Christiane Benner von den Delegierten wiedergewählt. Sie erhielt mit 87 Prozent der Stimmen ein besseres Ergebnis als Hofmann, aber kam ebenfalls nicht an ihr Ergebnis von 2015 heran. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig zur Wiederwahl vorgeschlagen, Gegenkandidaten meldeten sich nicht. Die Gewerkschaft zählt 2,3 Millionen Mitglieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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