Fahne mit dem Logo der IG Metall bei einem Streik | Bildquelle: dpa

Vorwürfe an IG Metall Arbeitgeber drohen mit Ende der Tarifbindung

Stand: 23.07.2019 09:42 Uhr

Seit Jahrzehnten regelt der Flächentarifvertrag die Bedingungen für 1,9 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektrobranche - nun drohen die Arbeitgeber auszusteigen. Sie werfen der IG Metall vor, Betriebe zu überfordern.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hat der IG Metall mit einem Ende des Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie gedroht. Der Chef des Arbeitgeberverbandes sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt."

Der Vertrag regelt seit Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen von 1,9 Millionen Beschäftigten in der Branche. Laut der Zeitung gibt es in dem Industriezweig seit längerem Klagen, dass die IG Metall viele Betriebe überfordere. Die Gewerkschaft setze zu hohe Löhne und zu viel Freizeit durch.

Dulger sagte der Zeitung, dies führe zu immer mehr Austritten aus seinem Verband. Von der IG Metall fordert er, dass sogenannte Tagesstreiks künftig nur nach einer gescheiterten Schlichtung erlaubt sein dürfen. Bei der Tarifrunde 2018 hätten diese Streiks insgesamt drei Millionen Arbeitsstunden gekostet. Dagegen könnten sich die Arbeitgeber bisher "gar nicht" wehren.

Kritik: Streiktaktik verprellt Unternehmen

Der Gewerkschaft warf Dulger vor, mit ihrer Streiktaktik diejenigen Unternehmen zu verprellen, die am Flächentarifvertrag festhalten wollten. "Die IG Metall macht immer in denjenigen Unternehmen am meisten Rabatz, die besonders fest zur Tarifbindung stehen", sagte er. "Das ist doch vollkommen kontraproduktiv: den besten und treuesten Kunden permanent vor den Kopf zu stoßen."

Kritik an Dulgers Äußerungen kam von der stellvertretenden SPD-Fraktionschefin Katja Mast. Sie erklärte, der Flächentarifvertrag sei "der Grundstein guter Arbeit" und des Wohlstands in Deutschland. "Mit solchen Drohgebärden schneiden sich Arbeitgeber ins eigene Fleisch", sagte sie. "Wenn in der Metall- und Elektroindustrie die Produktivität sinkt, müssen insbesondere die Arbeitgeber zusehen, wie sie diese steigern können."

Jüngste Tarifrunde besonders umkämpft

Die jüngste Tarifrunde war besonders umkämpft. Nach mehreren Wochen mit Warn- und Tagesstreiks setzte die IG Metall eine Steigerung der Löhne von 4,3 Prozent durch. Zudem dürfen die Beschäftigten in diesem Juli wählen zwischen acht zusätzlichen freien Tagen oder einer Sonderzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Brutto-Monatslohns. "Es war ein sehr, sehr hoher Abschluss, der bei uns zu Austritten geführt hat", sagte Dulger. "Ich habe da wirklich Sorgen: sowohl was die Tarifbindung der Betriebe als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie betrifft."

Über dieses Thema berichtete SWR2 aktuell am 23. Juli 2019 um 08:00 Uhr.

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