Fertigung in einem Metallbetrieb: Das verarbeitende Gewerbe ist stärker von Kurzarbeit betroffen als andere Branchen. | Bildquelle: dpa

Ifo-Schätzung für September Bayern hat die meisten Kurzarbeiter

Stand: 15.10.2020 11:49 Uhr

Mehrere Millionen Menschen sind in Deutschland noch in Kurzarbeit - auch wenn die Zahl seit dem Frühjahr stark gesunken ist. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen und Branchen.

Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland ist nach Schätzungen des ifo-Instituts im September deutlich auf 3,7 Millionen gesunken. Damit erhielt ein halbes Jahr nach Einführung drastischer Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch etwa jeder neunte Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Die meisten Kurzarbeiter gibt es demnach derzeit mit 825.000 in Bayern. Dahinter folgen Nordrhein-Westfalen mit 784.000 und Baden-Württemberg mit 610.000.

Gesicherte Zahlen kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) aufgrund des Abrechnungsverfahrens beim Kurzarbeitergeld immer erst mit mehrmonatiger Verzögerung vorlegen. Im April war die Zahl der Kurzarbeiter auf den Rekordwert von knapp sechs Millionen gestiegen. Seither ist die Tendenz rückläufig. Die aktuellsten Angaben der BA liegen bisher für Juli vor, als gut 4,2 Millionen Menschen in Deutschland Kurzarbeitergeld bezogen.

Metallbranche stärker betroffen

Zuletzt sank die Zahl der Kurzarbeiter nach Schätzung des ifo-Instituts vor allem in Industriezweigen wie der Metall- und Elektroindustrie sowie im Fahrzeugbau. Dennoch gebe es in "Ländern mit viel Metallverarbeitung, Maschinenbau, Autobauern und Zulieferern" weiterhin deutlich mehr Kurzarbeit als in anderen Bundesländern, sagte ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

Leicht unter dem deutschlandweiten Schnitt sind die Länder Bremen, Hessen sowie Hamburg und Schleswig-Holstein. Den geringsten Anteil der Kurzarbeit verzeichnet Ostdeutschland. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sind 8 Prozent der Beschäftigten betroffen.

Hohe Quote im Gastgewerbe

Nach dem Höchststand im Frühjahr sorgte die Lockerung der Corona-Beschränkungen in den folgenden Monaten dafür, dass sich das Geschäft der Unternehmen deutlich belebte - und Firmen die Kurzarbeit stark herunterfahren konnten. Allerdings gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen den Branchen.

Am stärksten betroffen ist weiterhin das Gastgewerbe: Hier befinden sich laut ifo-Institut mehr als ein Viertel der Beschäftigten in Kurzarbeit. Im verarbeitenden Gewerbe sei die Quote vergleichsweise hoch, da sich die Nachfrage noch schleppend entwickle. Kaum Kurzarbeit findet im Bau, im Handel, bei Versicherungen und Finanzunternehmen sowie in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft statt.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 15. Oktober 2020 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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