Container-Umschlag am Hamburger Hafen | dpa

ifo-Geschäftsklimaindex Wirtschaftsstimmung trübt sich weiter ein

Stand: 24.09.2021 12:13 Uhr

Die Stimmung in Deutschlands Wirtschaft hat sich zum dritten Mal hintereinander eingetrübt. Dabei leidet insbesondere die Industrie unter einer "Flaschenhals-Rezession".

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum dritten Mal in Folge gesunken. Dabei macht insbesondere die Entwicklung der Industrie Sorgen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer fiel im September im Vergleich zum Vormonat von 99,6 Punkten auf 98,8 Punkte, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut heute seiner Umfrage unter 9000 Entscheidungsträgern mitteilte. Volkswirte hatten im einem Rückgang gerechnet, wenn auch nicht ganz so stark. Beim dritten Rückgang in Folge sprechen Fachleute von einer konjunkturellen Trendwende.

"Die Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten bremsen die deutsche Konjunktur", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die Industrie erlebt eine Flaschenhals-Rezession", sagte der Ökonom mit Blick auf die Lieferengpässe, die zum überwiegenden Teil eine Folge der Pandemie sind. Die befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate skeptischer als zuletzt.

Knappheit allerorten

Im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich die Stimmung deutlich ein. "Ein stärkerer Rückgang war zuletzt im Mai 2020 beobachtet worden", erklärte Fuest. Auch der große Optimismus bei den Erwartungen aus dem Frühjahr sei fast verschwunden. Die Auftragsbücher seien noch immer gut gefüllt, aber die Neubestellungen flachten ab.

"Fast 80 Prozent der Industriebetriebe klagen über Engpässe bei Vorprodukten, nach 70 Prozent im Vormonat", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. "Die Lager in der Industrie sind leergefegt." Diese Knappheit werde zumindest teilweise über Produkte an Kunden weitergegeben und dürfte Preiserhöhungen zur Folge haben.

"Es dürfte uns damit ein schwieriges viertes Quartal ins Haus stehen, in dem die Lieferkettenthematik Corona als Hauptrisiko sogar ablösen könnte. Und Corona ist ja keineswegs vorbei. Alles in allem also eher unerfreuliche Neuigkeiten aus München", kommentierte Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.

Dienstleistungen und Bau machen Hoffnung

Immerhin hellte sich Im Dienstleistungssektor das Klima wegen besserer Erwartungen auf. "Im Gastgewerbe und Tourismus ist nach der großen Skepsis im Vormonat eine gewisse Zuversicht zurückgekehrt", betonte Fuest. In der Logistik jedoch trübten sich die Aussichten ähnlich wie in der Industrie ein, während der Handel über eine nur wenig veränderte Stimmung berichtete.

Im Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima deutlich. Die Beurteilung der Lage stieg laut ifo auf den höchsten Stand seit März 2020. Auch die Erwartungen hellten sich merklich auf.

Bisher gehen gehen viele Ökonomen davon aus, dass sich das Wachstum im zu Ende gehenden dritten Quartal beschleunigt haben dürfte. Das Kieler IfW-Institut etwa erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent zum Vorquartal zulegt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2021 um 11:00 Uhr.