Asiatische Besucher schauen auf ein Modell des Porsche Cayenne | Bildquelle: AP

IAA eröffnet PS-Protze aus der "Zwischenwelt"

Stand: 14.09.2017 12:26 Uhr

In Frankfurt am Main hat die IAA begonnen. Trotz der aktuellen Krise zeigen viele Hersteller PS-Protze mit Verbrennungsmotoren. Experten halten dies für den Blick in eine "Zwischenwelt". Nun sei die Politik gefordert.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Eine ganze Branche verpennt ihre Zukunft, setzt auf eine Technik, die sich als Sackgasse entpuppt und als das nicht klappt, betrügt sie auch noch: So in etwa lässt sich das Bild zusammenfassen, dass die Autoindustrie in letzter Zeit in der Öffentlichkeit abgegeben hat. In dieser Zuspitzung ganz sicher ungerecht - aber die Konzerne haben ihren Teil dazu beigetragen.

Das wissen sie auch, sagt Stefan Bratzel, Autoexperte von der Fachhochschule Bergisch Gladbach: "Ich glaube schon, dass der Schock durch Diesel- und Abgas-Skandal tief sitzt. Es ist ja noch nicht vorbei, das Damokles-Schwert der Fahrverbote hängt noch über den Herstellern. Nun ist die Frage, ob den guten Worten auch Taten folgen."

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67. Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt

BMW i-Vision

Auf der IAA sind Dutzende neue Autos zu sehen. Hier eine Auswahl: Im Mittelpunkt der IAA stehen Elektro-Autos. BMW will Tesla Paroli bieten und stellt auf der IAA das Elektro-Coupé i-Vision Dynamics mit 600 Kilometern Reichweite vor. Wann das Fahrzeug in Serie geht, bleibt allerdings offen. | Bildquelle: AFP

"Wir leben in einer Art Zwischenwelt"

Der erste Augenschein spricht erstmal dagegen - in Frankfurt auch der IAA sind nach wie vor jede Menge leistungsstarke Diesel zu sehen. Das muss aber kein Widerspruch sein, meint Bratzel: "Wir leben in einer Art Zwischenwelt. Die Welt der Verbrennungsmotoren ist noch immer existent, auf der anderen Seite wissen die Hersteller, dass die Zukunft anders aussehen wird." Nämlich elektrisch. Zunächst gehe es aber darum, den Diesel für eine Übergangszeit wieder salonfähig zu machen - auch, weil die deutschen Klimaziele sonst nicht zu erreichen seien.

Gleichzeitig aber würden Elektroautos immer wichtiger, sagt Christoph Stürmer, Analyst bei der Unternehmensberatung "Price Waterhouse Cooper". Die deutsche Autoindustrie sei dafür besser gerüstet, als man meine, forsche schon seit Jahrzehnten. Das Ziel von VW, bis 2025 Weltmarktführer bei E-Autos zu werden, sei deshalb realistisch, sagt Stürmer: "VW ist der weltgrößte Automobilkonzern. Wenn die etwas anfassen, dann machen sie es richtig", glaubt er.

Autobauer präsentieren auf der IAA ihre Zukunftsvisionen
tagesschau 20:00 Uhr, 14.09.2017, Gerrit Rudolph. HR

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"Strom im Überfluss"

Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands E-Mobilität, ist da nicht so optimistisch: Viele Konzerne seien gut aufgestellt - deutsche eher nicht, sagt er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Vor allem müsse sich die Industrie mal dafür entscheiden, konsequent auf den Elektroantrieb mit Batterie zu setzen - mittlerweile sei klar, dass diese Technik effektiver sei als Wasserstoff-Autos oder synthetische Kraftstoffe, deren Herstellung enorm viel Energie verbraucht. "Da sind sich die Experten weltweit einig. Die Akkus werden immer besser, werden immer umweltfreundlicher, werden von der Energiedichte immer besser", sagt Sigl. Vor allem Deutschland habe Strom im Überfluss, den müsse man nützen.

Sigl sieht da auch eine Aufgabe für die Politik und kritisiert Kanzlerin Angela Merkel. Ihr schulterzuckendes "klappt halt nicht" zum Verfehlen der Zielmarke von einer Million E-Autos im Jahr 2020 - das sei jedenfalls nicht der richtige weg.

Die Leistungs-Show nach dem Diesel-Skandal
A. Krämer, ARD Berlin
14.09.2017 11:27 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 14. September 2017 Inforadio um 09:07 und 10:26 Uhr sowie die tagesschau um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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Alex Krämer, RBB

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