Fragen und Antworten

Frau mit Smartphone vor Huawei-Geschäft | Bildquelle: ROMAN PILIPEY/EPA-EFE/REX

US-Sanktionen Was Huawei-Nutzer wissen müssen

Stand: 21.05.2019 09:41 Uhr

Nachdem die USA Huawei auf die schwarze Liste gesetzt haben und Google Updates für den chinesischen Technik-Konzern sperrt, ist die Verunsicherung bei Nutzern groß. Was müssen sie wissen?

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Von Markus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Was passiert, wenn ich ein Huawei-Smartphone besitze?

Erst einmal passiert vermutlich gar nichts. Google hat versprochen, dass vorhandene Geräte weiterhin Zugang zum Play Store erhalten. Dort kann man sich Apps herunterladen. Auch der Sicherheitsdienst Play Protect, der Android-Nutzer vor bösartigen Apps schützen soll, bleibt für bisherige Geräte aktiviert. Der chinesische Konzern teilte mit, dass er weiterhin Sicherheitsupdates und Updates für seine Smartphones und Tablets bereitstellen werde. Wie er das ganz alleine stemmen will, ließ er offen.

Was ist mit Gmail, Maps oder dem Google Assistant?

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Google die Apps für bestehende Nutzer sperrt. Das Tech-Unternehmen im Silicon Valley erklärte dazu, dass man sich an die US-Vorschriften halten wolle und Konsequenzen prüfe.

Anders sieht es für kommende Geräte-Generationen aus. Huawei dürfte nach Lage der Dinge künftig weder einen privilegierten Zugang zu neuen Android-Versionen erhalten noch die beliebten Google Apps vorinstallieren können.

Google Maps Logo | Bildquelle: REUTERS
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Maps und Assistant dürften auf bestehenden Geräten weiter laufen, auf neuen jedoch nicht installiert sein.

Bekomme ich jetzt Android-Updates oder nicht?

Wer schon ein Huawei-Gerät besitzt, bekommt wohl auch weiterhin aktuelle Sicherheitsupdates. An die kommen alle Gerätehersteller ran, weil sie Zugriff auf das Android Open Source Project (AOSP) haben. Daran wird sich für Huawei auch in Zukunft nichts ändern.

Welche Rolle spielt Google?

Das Silicon Valley muss sich an US-Gesetze halten. Zähneknirschend musste es das Dekret der US-Regierung umsetzen. Konsequenz: Huawei wird für künftige Geräte keine Google -Lizenz mehr erhalten. Das bedeutet: Die wichtigen Google Apps (Mail, Karten, App Store, aber auch YouTube) sind nicht mehr vorinstalliert. Das Unternehmen kann statt dessen alternative Kartendienste wie “Here” installieren. Huawei hat auch einen eigenen App Store gestartet. Aber die Verzahnung mit den Google Apps sorgt zum Beispiel für einen Austausch von Ortsdaten mit den Google Maps. Der erfolgt bislang mit anderen Anwendungen in der Form noch nicht.

Außerdem wird Huawei von nun an nicht mehr zum privilegierten Kreis der Android-Hersteller gehören. Das beinhaltete bislang zum Beispiel einen frühen Zugriff auf neue Android-Versionen. Den Herstellern hat das geholfen, ihre Hardware anzupassen. Für die Chinesen ist das ein großer Wettbewerbsnachteil.

Eine übergroße Android-Figur steht auf dem Firmencampus von Google im kalifornischen Mountain View. | Bildquelle: dpa
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Ohne frühen Zugang zu neuen Android-Versionen hätte Huawei einen Wettbewerbsnachteil.


Wie mächtig ist Huawei?

Der Technologiekonzern mit Sitz im chinesischen Shenzhen ist weltweit die Nummer 2 - nach dem südkoreanischen Hersteller Samsung. 2017 hat es nach Zahlen der Marktforscher von Gartner 150 Millionen Smartphones verkauft. Im vergangenen Jahr waren es schon 203 Millionen Geräte. Im US-Handymarkt spielt das Unternehmen keine Rolle, es dürfte auf rund zwei Prozent kommen. In Europa ist es dagegen auf dem Vormarsch.

Welche langfristigen Auswirkungen hat das US-Dekret?

Da kann man im Moment nur spekulieren. Huawei wird versuchen, unabhängig von Android zu werden. Das Unternehmen ist dazu groß und mächtig. Es wird von der kommunistischen Regierung in Peking geschützt. Langfristig könnte es ein eigenes, ein drittes Smartphone Betriebssystem am Markt etablieren - neben Android von Google und iOS von Apple.

Für die US-Wirtschaft wäre das genauso schlecht wie für die Verbraucher weltweit. Denn der Charme von Android liegt daran, dass die Grundkomponenten “Open Source” sind. Jeder Entwickler kann da rein schauen und das System sicherer machen. Wenn Huawei ausschert, wird es vermutlich nicht auf "Open Source" und damit Transparenz und Überprüfbarkeit setzen. Die US-Regierung könnte sogar das Gegenteil erreichen: Huawei könnte Spionage-Hintertüren einbauen, die schwieriger zu überprüfen wären.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Mai 2019 um 15:33 Uhr.

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