Bundesfinanzminister Steinbrück

Finanzminister fordert Rücktritt des HRE-Chefs "Eine weitere Zusammenarbeit ist undenkbar"

Stand: 06.10.2008 09:37 Uhr

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hält es angesichts von Rücktrittsforderungen an HRE-Chef Georg Funke aus dem Banksektor für "undenkbar", weiter mit dem Management der Hypo Real Estate zusammenzuarbeiten. Er und Kanzlerin Angela Merkel hätten aus der Presse von dem erneuten Liquiditätsloch erfahren, sagte Steinbrück im Deutschlandradio. Er sei ziemlich betroffen, dass "wir als Bund auf der einen Seite die Bank retten sollen" und "auf der anderen Seite in einer Art anwaltlichen Schriftverkehr mit der Bank stehen". Da wundere man sich als Politiker nur.

Zuvor hatte bereits der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, in der "Bild-Zeitung" den Rücktritt Funkes gefordert: "Wer 35 Milliarden Euro sagt und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr." Auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn fordert einen Wechsel an der Bankspitze: "Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört", sagte er der Zeitung. Kuhn forderte eine "intelligente" Verstaatlichung der HRE.

Warnung vor Flächenbrand

Steinbrück sagte, er gehe davon aus, dass das in letzter Minute vereinbarte Rettungspaket für die Münchener Hypothekenbank dem Institut über dessen aktuelle Schwierigkeiten hinweghelfen könne. Teil der komplexen Lösung sei die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank, zusätzliche Wertpapiere der HRE zu beleihen und damit weitere Liquidität zur Verfügung zu stellen. Diese Wertpapiere sollen in einem geordneten Verfahren verkauft werden. "Je besser dies gelingt, desto geringer die Risiken", so Steinbrück weiter.

HRE-Chef Georg Funke (Archiv)

Unter Druck: HRE-Chef Georg Funke.

Die zusätzlichen 15 Milliarden Euro seien nötig gewesen, um angesichts des hohen Vernetzungsgrades der HRE einen "Flächenbrand" zu verhindern, sagte der Finanzminister. Wegen dieser "Erschütterungsdynamik" bitte er die Bürger um Verständnis für die Hilfe. Es sei nicht so, dass der Bank Geld "rübergeschoben" werde.