Eine Frau arbeitet aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus von Zuhause aus | dpa

Druck auf Firmen wächst Mehr Homeoffice - möglichst bald

Stand: 11.01.2021 14:48 Uhr

Beim Thema Homeoffice wächst der Druck auf die Arbeitgeber: Immer mehr Politiker fordern zusätzliche Möglichkeiten, zu Hause arbeiten zu können. Aber nicht alle Experten halten Homeoffice für eine gute Lösung.

Im Kampf gegen das Coronavirus will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Arbeitgeber in seinem Bundesland zu mehr Homeoffice-Möglichkeiten für Beschäftigte drängen. Voraussichtlich am Mittwoch wolle er bei einem "Homeoffice-Gipfel" mit Wirtschaft und Gewerkschaften darüber sprechen, sagte er. Zunächst einmal müsse man überlegen, wie die Potenziale, die es gebe, besser ausgeschöpft werden könnten - bislang sei das noch nicht ausreichend der Fall. Wenn das nicht funktioniere, müsse man vielleicht über andere Maßnahmen nachdenken.

Nicht in jeder Branche sei Homeoffice gleich gut möglich, "aber die Bereitschaft generell muss deutlich erhöht und verbessert werden". Am Anfang der Pandemie sei es besser gewesen als in der jetzigen Phase.

Bayerns Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann hatte bereits am Freitag einen "Homeoffice-Gipfel" und einen "Pakt für Heimarbeit" verlangt.

Auch Heil macht Druck

Zuvor hatte schon Bundesarbeitsminister Hubertus Heil Unternehmen dringend aufgefordert, Beschäftigten in der Corona-Krise Homeoffice zu gewähren. "Willkürlich Homeoffice zu verweigern wäre jetzt unverantwortlich", sagte der SPD-Politiker bei NDR Info. Er werde am Dienstag seinen Appell an die Unternehmen, das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen, in einer Konferenz mit den Personalvorständen großer Firmen bekräftigen. Wo kein Homeoffice möglich sei, müssten die Hygieneauflagen strikt eingehalten werden, sagte Heil weiter.

Sonst könne er einen Stillstand auch in der Produktion nicht ausschließen, sagte der Minister weiter. Einen Lockdown in der gesamten Wirtschaft wolle er jedoch unbedingt vermeiden.

Heil bedauerte, dass die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Homeoffice am Widerstand der Union gescheitert sei. "Sonst wären wir jetzt weiter." Sein Gesetzentwurf sieht nun lediglich vor, dass Arbeitnehmer das Recht auf ein Gespräch mit dem Arbeitgeber zum Thema Homeoffice bekommen. Lehnt der Arbeitgeber ab, braucht er Gründe.

Grüne und Gewerkschaften wollen Arbeitgeber verpflichten

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen und des Auftretens einer Virusmutation, die Wirtschaft stärker in den Fokus zu nehmen. Bund und Länder hätten bei Einzelhandel, Kultur und Schulen zwar harte Maßnahmen ergriffen. Für große Bereiche der Wirtschaft gebe es aber kaum verpflichtende Regeln. Wo Arbeitgeber uneinsichtig seien und ohne Grund Präsenz am Arbeitsplatz einforderten, müsse mit Bußgeldern Druck gemacht werden.

Die Gewerkschaften wollen in der Corona-Pandemie einen Rechtsanspruch auf Homeoffice durchsetzen. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte der "Süddeutschen Zeitung", es könne nicht sein, dass die Entscheidung darüber allein bei den Arbeitgebern liege. Zugleich müsse aber auch sichergestellt werden, "dass niemand ins Homeoffice gezwungen werden kann". In der Corona-Pandemie reduzierten manche Firmen, deren Beschäftigte verstärkt von zu Hause arbeiteten, ihre Büroflächen. "Immerhin haben einige Arbeitgeber inzwischen verstanden, dass auch sie vom Homeoffice profitieren." Die Beschäftigten seien zufriedener, produktiver und seltener krank.

Die Bundesregierung müsse verbindliche Regelungen schaffen, sagte auch ver.di-Chef Frank Werneke dem Magazin "stern". Die Betriebe stünden in der Pflicht, für einen möglichst wirksamen Infektionsschutz zu sorgen. Dazu gehöre in der jetzigen Phase der Pandemie das Arbeiten von daheim aus, "wo immer das möglich ist".

10,5 Millionen Menschen im Homeoffice

Nach einer Befragung des Digitalverbandes Bitkom von Anfang Dezember arbeitet derzeit jeder vierte Berufstätige ausschließlich im Homeoffice. Das wären etwa 10,5 Millionen Deutsche. Auf weitere 20 Prozent treffe das teilweise zu. Vor der Pandemie hatten lediglich drei Prozent im Homeoffice gearbeitet, weitere 15 Prozent teilweise.

Einheitliche Regeln für Unternehmen gibt es dennoch nicht - lediglich einen Aufruf. "Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden dringend gebeten, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen, um bundesweit den Grundsatz 'Wir bleiben zuhause' umsetzen zu können", hieß es etwa in einem Appell von Bund und Ländern nach der Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar.

Der richtige Ansatz?

Es gibt allerdings auch Kritiker der Homeoffice-Verpflichtung. Die Bundesregierung würde mit gesetzlichen Vorgaben mehr Schaden anrichten als zu helfen, meinte zuletzt etwa Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Fast 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland können nicht von zu Hause aus arbeiten, häufig weil ihre Arbeit einen Dienst an anderen Menschen beinhaltet. Unternehmen haben bereits jetzt zu kämpfen, diese Pandemie zu überleben,", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Auch Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft hält einen Rechtsanspruch für den falschen Ansatz: "Homeoffice kann nur produktiv sein, wenn beide Seiten das für sinnvoll erachten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Januar 2021 um 10:11 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 11.01.2021 • 19:13 Uhr

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