USA Flagge und Dollarschein

Anstieg auf 7,0 Prozent Höchste Inflation in den USA seit 1982

Stand: 12.01.2022 18:40 Uhr

Nicht nur für die Europäer, sondern auch für die Amerikaner wird der Alltag immer teurer: Im Dezember stiegen die US-Verbraucherpreise um sieben Prozent. Ist der Höhepunkt nun erreicht?

Ob für Miete, Gebrauchtwagen oder auch Weihnachtsgeschenke - viele Amerikaner mussten im Dezember tief in die Tasche greifen. Im letzten Monat des Jahres 2021 stiegen laut dem US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise um satte 7,0 Prozent. Das ist der höchste Zuwachs seit fast 40 Jahren. Im November hatte die Teuerungsrate noch bei 6,8 Prozent gelegen. Ökonomen hatten allerdings mit dem Preisanstieg in dieser Höhe gerechnet.

Höchste Jahresinflation seit 1990

Besonders deutlich stiegen die Preise für Gebraucht- und Neuwagen. Auch Hotelübernachtungen kosteten deutlich mehr. Nur bei den Energiepreisen gab es etwas Entlastung: Die Öl- und Spritpreise sanken. Die viel beachtete Kernrate, bei der schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt werden, kletterte von 4,9 Prozent im November auf nunmehr 5,5 Prozent. Volkswirte hatten ein Plus von lediglich 5,4 Prozent vorausgesagt. Insgesamt betrug die Inflationsrate 4,7 Prozent im abgelaufenen Jahr: Sie erreichte damit ihr höchstes Niveau seit dem Jahr 1990.

Die Inflationsdaten erhöhen den Druck auf die Fed. Weil die Gesamtrate deutlich über deren Inflationsziel von zwei Prozent liegt, muss die US-Notenbank rasch handeln. Die Währungshüter hatten bereits vor mehreren Wochen angekündigt, bis März aus ihren Anleihekäufen zur Stützung der Konjunktur aussteigen. Zudem plant die Fed eine baldige Zinswende. Zuletzt gab es Spekulationen, dass sie schneller kommt als geplant. Einige Fed-Mitglieder sprachen sich für eine erste Zinserhöhung schon im März aus. Fed-Präsident Jerome Powell ließ gestern bei der Anhörung im Senat offen, wann genau der erste Zinsschritt erfolgen soll. An den Märkten wird für dieses Jahr mittlerweile mit mindestens drei Zinserhöhungen gerechnet.

Höhepunkt erreicht?

Ob die Inflation nun ihren Zenit erreicht hat oder ob sie Anfang 2022 noch weiter ansteigt, ist unter Volkswirten umstritten. "Die Inflationsrate dürfte immer noch nicht am Gipfel angelangt sein", meint Ökonom Christoph Balz von der Commerzbank. Er erwarte allerdings in den nächsten Monaten nur noch geringfügig höhere Raten, da der Schub von den Energiepreisen nachlässt.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, stellt sich indes auf niedrigere Teuerungsraten ein. "In den kommenden Monaten wird die US-Inflationsrate in den Rückwärtsgang gehen, auch ohne Zutun der US-Notenbank", glaubt er. Alleine der kleiner werdende Basiseffekt bei den Energiepreisen sorge dafür. "Es ist also nicht die Frage, ob die Inflationsraten fallen, sondern auf welchen Niveaus sie sich einpendeln werden."

Lohnzuwächse sorgen weiter für Preisdruck

Nach Ansicht von Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg werde der Preisauftrieb im Laufe des Jahres infolge auslaufender Corona-Sondereffekte und dem Ausbleiben weiterer Ölpreisschübe zwar etwas nachlassen. "Einer deutlichen Entspannung an der Preisfront dürften jedoch die angesichts der niedrigen Arbeitslosenquote beschleunigten Lohnzuwächse entgegenstehen." Für das Gesamtjahr 2022 erwartet er einen Anstieg der Verbraucherpreise um 5,0 Prozent.

Am Devisenmarkt kam der US-Dollar nach der Veröffentlichung der Daten unter Druck. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um 0,6 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 95,087 Zählern. Der Euro legte zu und stieg auf ein Tageshoch von 1,1415 US-Dollar. Die Kurse von US-Staatsanleihen zogen an.

Die Börsen reagierten gelassen auf die hohe Inflation. An der Wall Street rückte der US-Standardwerteindex Dow Jones um 0,1 Prozent vor. Der DAX stieg um 0,4 Prozent. "Sieben Prozent Inflation, na und?!", fragte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. "Mit den Daten wurden lediglich die Erwartungen des Marktes bestätigt, dass die US-Notenbank demnächst die Zinsen erhöhen wird."

5,3 Prozent höhere Inflation in Deutschland

Zum Vergleich: In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im Dezember um 5,3 Prozent und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr. Im Jahresschnitt 2021 betrug die Teuerungsrate 3,1 Prozent. Das ist der höchste Anstieg seit über 28 Jahren. Ökonomen rechnen zwar mit einer leichten Entspannung bei den Verbraucherpreisen zu Beginn des neuen Jahres wegen des Basiseffekts, die Inflation dürfte jedoch dauerhaft hoch bleiben. "Es wird Zeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Fuß vom Gas nimmt", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die EZB hält immer noch die hohe Inflation für ein temporäres Phänomen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2022 um 18:00 Uhr.