Ultraschnelle Börsencomputer Italien besteuert Hochfrequenzhandel

Stand: 02.09.2013 17:12 Uhr

Börsenhändler in New York
galerie

Mensch oder Maschine - wer bestimmt, was an der Börse passiert?

Italien hat als erstes Land überhaupt eine Steuer auf computergesteuerte Hochfrequenzgeschäfte an den Börsen eingeführt. Seit Montag müssen Händler 0,02 Prozent auf Geschäfte zahlen, die in weniger als einer halben Sekunde ausgeführt werden.

Beim Hochfrequenzhandel kaufen und verkaufen Computer Wertpapiere in Bruchteilen von Sekunden. Menschen braucht es bei dieser Art von Geschäften nur noch, um die Turbo-Rechner zu programmieren und die Transaktionen zu überwachen. An der Ausführung sind sie nicht mehr beteiligt. Die Programme geben oft in Millisekunden Hunderte Kauf- und Verkaufsanweisungen ab.

In Deutschland macht der Turbo-Handel Schätzungen zufolge mehr als 40 Prozent des gesamten Börsenvolumens aus. Experten machen den Hochfrequenzhandel für zum Teil massive Kursstürze an Börsen in den vergangenen Jahren verantwortlich. Im Mai 2010 zum Beispiel brach der US-Aktienindex Dow Jones binnen kürzester Zeit um mehr als 1000 Punkte ein - ohne dass es einen realwirtschaftlichen Anlass für den Kursrutsch gab.

Deutschland setzte auf mehr Kontrolle

Mit ihrer Steuer preschen die Italiener im Kampf gegen den ultraschnellen Börsenhandel vor. Zwar soll es auch auf EU-Ebene Reformen geben. Allerdings könnte die Umsetzung noch Jahre dauern, da die Mitgliedstaaten uneins sind, ob und wie sie gegen die Turbo-Trader vorgehen sollen.

Der Bundestag hatte Ende Februar ein Gesetz zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels verabschiedet. Im Mittelpunkt stehen größere Kontrollrechte der Finanzaufsicht BaFin. Zudem wurden bestimmte Handelsstrategien verboten - etwa das sogenannte Scalping, bei dem die Computer versuchen, Kurse durch Schein-Orders zu beeinflussen.

Darstellung: