Logo vom Konzern HNA an einem Firmengebäude | AP

Flughafen-Eigner HNA Festnahmen und Milliardenschulden

Stand: 20.10.2021 15:48 Uhr

Nicht nur der Flughafen Hahn ist insolvent, auch der chinesische Mehrheitseigner HNA rutschte in die Pleite. Zuletzt wurde Aufsehenerregendes über den einstigen Vorzeigekonzern bekannt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der rheinland-pfälzische Regionalflughafen Hahn ist pleite - und die Tatsache, dass auch der chinesische Mehrheitseigner HNA bereits im Januar pleite gegangen war und zerschlagen wurde, sorgt für zusätzliche Probleme. Zwar soll der Betrieb in Hahn trotz Zahlungsfähigkeit weiterlaufen, aber die Zukunft des abgelegenen Hunsrück-Flughafens ist offen.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Konzentration auf die eigenen Stärken?

HNA als technologischer Vorreiter in in Sachen Flugzeugwartung: So präsentierte sich das chinesische Unternehmen vor drei Wochen in einem Social-Media-Video. Zu sehen ist ein Flugzeugtechniker, der mithilfe einer speziellen Kamera-Brille das Fahrwerk einer Boeing 737 inspiziert.

Das Video zeigt, wie es aus Sicht des pleite gegangenen Unternehmens selbst weitergehen könnte für HNA: Man konzentriert sich auf die Unternehmensbereiche, in denen man besonders gut ist. Die Wartung komplexer Flugzeugtechnik zum Beispiel.

Frühere Topmanager in Haft

Klar ist: Nach der Pleite von HNA zu Jahresbeginn bleibt beim früheren Vorzeige-Mischkonzern nichts beim Alten. Die chinesischen Behörden sind seit Monaten dabei, das Unternehmenskonglomerat zu zerschlagen. Das passiert weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In China ist das nichts Außergewöhnliches: Die Staats- und Parteiführung hat kein Interesse daran, dass schlechte Nachrichten über pleitegegangene Großkonzerne verbreitet werden.

Das, was über HNA bekannt wurde in den vergangenen Monaten, ist aufsehenerregend: So gab das Unternehmen Ende September bekannt, dass die frühere Führungsspitze des Konzerns festgenommen wurde. Der ehemalige HNA-Vorstandschef Tan Xiandong und Ex-Verwaltungsratchef Chen Feng stünden im Verdacht, "kriminell gehandelt" zu haben.

Einzelheiten wurden nicht genannt, aber: Der Insolvenz-Prozess laufe weiter, HNA werde wie geplant saniert. Was das genau bedeutet, ist weiter unklar. Nach Medienberichten hatte das Unternehmen zum Zeitpunkt der Pleite Ende Januar umgerechnet rund 80 Milliarden Euro Schulden. Geplant sei, die mehr als 320 Unternehmensanteile und -Beteiligungen von HNA auf vier neu zu gründende Firmen zu verteilen. Die britische Zeitung "Financial Times" berichtete von einem Streit unter den rund 64.000 kleinen und großen Anlegern in China, denen HNA noch Geld schuldet.

Enge Beziehungen zur Kommunistischen Partei

Es geht offensichtlich darum, wie die Neustrukturierung des Konzerns genau ablaufen soll und wer genau auf wie viel Geld verzichtet. Das Ganze ist eine hochpolitische Angelegenheit, denn HNA war zwar formell ein privates Unternehmen, allerdings hatte das Firmenmanagement enge Beziehungen zur Führungsspitze der Kommunistischen Partei.

Gegründet wurde HNA vor gut 20 Jahren als Fluggesellschaft im südchinesischen Landesteil Hainan. In den 2010er-Jahren expandierte das Unternehmen stark. Durch Zukäufe in China und dem Rest der Welt wuchs HNA zu einem riesigen Luftfahrt-, Immobilien- und Tourismuskonzern heran. Zeitweise war HNA Groß-Anteilseigner bei der Deutschen Bank und bei der US-Hotelkette Hilton.