H&M-Filiale | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Ausspähen von Mitarbeitern H&M soll Millionen-Bußgeld zahlen

Stand: 01.10.2020 14:23 Uhr

Krankheiten, Urlaubserlebnisse, familiäre Probleme: Die Leitung eines Nürnberger H&M-Servicecenters horchte Mitarbeiter aus und speicherte teils intime Informationen. Der Konzern soll nun 35 Millionen Euro zahlen.

Der schwedische Moderiese H&M soll wegen Ausspähens privater Details von Mitarbeitern eines Servicecenters in Nürnberg ein Bußgeld in Höhe von 35,3 Millionen Euro zahlen. Mit der Überwachung von Hunderten Mitarbeitern habe der Konzern gegen den Datenschutz verstoßen, begründete der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, den Erlass. "Das verhängte Bußgeld ist dementsprechend in seiner Höhe angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsphäre ihrer Beschäftigten abzuschrecken", so Caspar.

Nach Angaben seines Sprechers ist es das bisher höchste in Deutschland verhängte Bußgeld nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 und das zweithöchste in Europa. Im vergangenen Jahr verhängte Frankreichs Datenschutzbehörde 50 Millionen Euro Bußgeld gegen Google.

Ausspähen seit 2014

Der Fall liegt in der Zuständigkeit des Hamburgischen Beauftragten für den Datenschutz, weil das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat. H&M hat nun zwei Wochen Zeit, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Die schwedische Konzernzentrale kündigte an, den Bescheid eingehend zu prüfen.

Bekannt geworden war der Fall im vergangenen Jahr. Demnach kam es bereits seit 2014 durch die Leitung des Servicecenters bei einem Teil der Beschäftigten zu "umfangreichen Erfassungen privater Lebensumstände". So hätten sich einige Vorgesetzte durch Gespräche "ein breites Wissen" über das Privatleben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeeignet, "das von eher harmlosen Details bis zu familiären Problemen sowie religiösen Bekenntnissen reichte", so der Datenschutzbeauftragte. Die Erkenntnisse, die auch Krankheitssymptome und Diagnosen beinhalteten, wurden demnach teilweise aufgezeichnet, digital gespeichert und waren mitunter für bis zu 50 weitere Führungskräfte im ganzen Haus lesbar.

H&M entschuldigt sich

Nach Bekanntwerden des Falls habe man Verbesserungen in dem Servicecenter vorgenommen, teilte das Modeunternehmen mit. Unter anderem seien die interne Kontrolle des Datenschutzes gestärkt und Führungskräfte und Mitarbeiter geschult worden. Zudem kündigte der Konzern an, alle betroffenen Mitarbeiter entschädigen zu wollen. Dies lobte der Datenschutzbeauftragte Caspar.

Die schwedische H&M Group bekräftigte nach Bekanntgabe des Bescheides, dass ein Umgang mit Beschäftigtendaten wie in Nürnberg, nicht mit den H&M-Richtlinien und -Anweisungen in Einklang stehe. Man übernehme die volle Verantwortung und entschuldige sich vorbehaltlos bei den betroffenen Mitarbeitern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Oktober 2020 um 12:40 Uhr.

Darstellung: