Einkaufskorb | Bildquelle: Andreas Weiss

Die Hitze und der Handel Heiße Tage, kühle Kauflaune

Stand: 27.07.2019 13:04 Uhr

Wem heiß ist, der kauft anders ein, so könnte das Fazit der Einzelhändler aus den vergangenen Tagen lauten. Manche Produkte laufen bei Hitze gar nicht mehr. Eine Branche meldet hingegen Umsatzrekorde.

So langsam gehen die Temperaturen vom Rekordniveau wieder nach unten - was nicht nur so manchen hitzeempflindlichen Schattenliebhaber aufatmen lässt, sondern auch den ein oder anderen Einzelhändler. Denn die bekommen die besonders heißen Tage beim Umsatz zu spüren.

Anziehen, ausziehen - anstrengend

Ein Beispiel: die Bekleidungsindustrie. Natürlich, die Nachfrage nach möglichst leichter und luftiger Kleidung wächst, je höher das Thermometer klettert. Doch wenn es zu heiß wird, verlieren viele die Lust am Shoppen. Ausziehen, anprobieren, wieder rein in die Klamotten - zu anstrengend. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Textil, Siegfried Jacobs, berichtet sogar von Fällen, in denen potenzielle Kunden vorher in Geschäften angerufen hätten, um sicherzugehen, dass der Laden auch klimatisiert sei.

Alles, was abkühlt, bringt Umsatz

Beispiel Nummer Zwei: die Supermärkte und Lebensmittel-Discounter. "Bei 40 Grad geht wenig. Das zieht die Umsätze nach unten, weil keiner mehr Lust hat rauszugehen", sagt Axel Haentjes vom Handelsverband Lebensmittel. Oder die Stoßzeiten verschieben sich komplett in die Morgen- beziehungsweise Abendstunden - dazwischen herrscht Leere an der Supermarktkasse.

Ein anderer "heißer Effekt": Der Kunde will, was zur "gefühlten Kühlung" beiträgt, wie ein Rewe-Unternehmenssprecher es ausdrückte. Getränke und Salate landen im Einkaufswagen, die schwere Kost bleibt im Regal. Abgesehen von allem, was abends auf dem Grill landen kann.

Und auch wenn die Lust auf Süßes wie Schokolade bei Hitze nachlässt, bleibt der Sommer-Spitzenreiter in Sachen Umsatz natürlich das Eis. Einer Erhebung des Marktforschungsinstitutes Nielsen zufolge machten Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte von Juni 2018 bis zum Mai dieses Jahres rund 1,7 Milliarden Euro Umsatz mit dem Eisverkauf. Rund 21 Euro hat jeder Deutsche in diesem Zeitraum durchschnittlich für die kühle Schleckerei ausgegeben. Insgesamt gingen laut Studie innerhalb von zwölf Monaten fast 509 Millionen Liter Eis über die Ladentheken.

Sinken die Temperaturen, sinkt aber auch ganz schnell die Eislaune - der Verkauf ist ein klares Saisongeschäft. So wurde im Juli 2018 fünf Mal mehr Eis verkauft als im November.

Zwei kleine Mädchen essen beide ein Eis. | Bildquelle: dpa
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Die Nummer Eins bei Hitze: das Eis.

Hitze bringt Arbeitsstress

In einigen Branchen bringen an Hitzetagen nicht nur die hohen Temperaturen die Angestellten ins Schwitzen, sondern auch das höhere Arbeitspensum. Die Betriebe, die beispielsweise Mineralwasser abfüllen, laufen durchweg auf Hochtouren, etwa der hessische Abfüller "Hassia". 2,8 Millionen Liter statt 1,7 Millionen Liter pro Tag müssen an heißen Tagen in die Flaschen. Für die Beschäftigten bedeutet das: arbeiten im Drei-Schichten-System an sechs Tagen in der Woche.

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