Verdacht der Untreue Ex-Chef der Kärntner Skandalbank HGAA festgenommen

Stand: 13.08.2010 16:52 Uhr

Der damalige HGAA-Chef, Wolfgang Kulterer, im April 2006
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Unter Verdacht: Ex-HGAA-Chef Kulterer (Archivbild vom April 2006)

Der langjährige Chef der Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA), Wolfgang Kulterer, ist unter dem Verdacht der Untreue festgenommen worden. Zudem gab es eine weitere Festnahme. Die Identität der zweiten Person werde aber vorläufig nicht bekanntgegeben, erklärte die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt. Gleichzeitig gab es in Wien und Kärnten an zehn Standorten Hausdurchsuchungen.

Die Kärntner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit längerem wegen des Verdachts der Untreue sowie der Geldwäsche. Die Staatsanwaltschaft begründete die Festnahme Kulterers mit Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Mit der Notverstaatlichung der maroden Bank zum Jahresende 2009 waren Sonderkommissionen und Ausschüsse eingesetzt worden, um den Bankenkrimi aufzuklären. Die Ermittlungen einer vom Finanzminister eingesetzten Sonderkommission führten zu 50 Strafanzeigen - mehr als ein Dutzend davon betreffen Kulterer. Der Chef der Sonderkommission, Bernhard Gaber, sprach von "Potenzial" für weitere Festnahmen.

Neben der Untreue und der Geldwäsche besteht den Behörden zufolge auch Verdacht auf Bilanzfälschung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstoß gegen finanzstrafrechtliche Vorschriften. Kulterer hatte die gegen ihn geäußerten Vorwürfe stets bestritten.

Haider, Berlin, BayernLB - und Milliardenverluste

Niederlassung der Hypo Group Alpe Adria in Klagenfurt
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Die HGAA wurde für die BayernLB zum Milliardengrab.

Kulterer leitete die Bank von 1992 bis 2006, er musste nach dem Auffliegen von falsch verbuchten Verlusten in Höhe von 328 Millionen Euro im Sommer 2006 seinen Hut nehmen. Im Herbst 2008 wurde er wegen Bilanzfälschung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Seit Dezember 2009 ermittelt die Justiz im Fall HGAA wegen des Verdachts der Untreue. Neben Kulterer stehen auch einige andere Bankmanager unter Verdacht.

Kulterer wechselte nach seinem Rücktritt in den Aufsichtsrat und war 2007 noch wesentlich am Einstieg des deutschen Investors Tilo Berlin beteiligt. Noch 2007 waren hinter den Kulissen auch vom verstorbenen Kärntner Regierungschef Jörg Haider die Fäden für den Verkauf der Bank an die BayernLB gezogen worden. Diese übernahm rund die Hälfte der HGAA für 1,6 Milliarden Euro.

Schon bald danach mussten die Bayern den Kärntnern die erste von zwei Finanzspritzen verabreichen, häuften Milliardenverluste mit ihrer Beteiligung an und verschenkten die HGAA schließlich an Österreich. Die in der Finanzkrise immer tiefer in die Verlustzone gerutschte HGAA musste Ende 2009 von Österreich notverstaatlicht werden.

Das Österreich-Abenteuer kostete die BayernLB schließlich knapp vier Milliarden Euro. Auch in Deutschland laufen Ermittlungen wegen des HGAA-Debakels der Landesbank.

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