Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung. | dpa
FAQ

Austausch von alten Anlagen Ist jetzt die Zeit für eine neue Heizung?

Stand: 03.08.2022 08:44 Uhr

Viele Immobilienbesitzer wollen jetzt ihre Heizanlage modernisieren. Welche Zuschüsse gibt es? Welche Kessel müssen ausgetauscht werden - und bis wann?

Von Antonia Mannweiler, tagesschau.de

Müssen sich Eigentümer von ihren alten Gas- und Ölheizungen trennen?

Nicht zwingend - aber Heizkessel, die vor 1992 installiert wurden oder älter als 30 Jahre sind, dürfen laut dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) nicht mehr in Betrieb sein und müssen in der Regel durch effizientere Anlagen ersetzt werden. Das betrifft Heizungen mit einem sogenannten Konstanttemperatur-Kessel und einer Nennleistung von vier bis 400 Kilowatt (kW). Die Temperatur solcher Kessel ist durchgehend hoch und kann nur eingeschränkt eingestellt werden. Sie sind damit ineffizienter als etwa Brennwertheizungen, die weniger Gas verbrauchen.

Gibt es Ausnahmen von der Austauschpflicht?

Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern, die ihr Haus seit dem 1. Februar 2002 selbst bewohnen, müssen ihre alten Kessel nicht austauschen. Das gilt jedoch nur, solange das Haus nur eine Wohnung hat. Wurde das Haus nach dem Stichtag geerbt oder erworben, müssen die alten Gas- und Ölheizungen ausgetauscht werden. Die neuen Eigentümer haben dann zwei Jahre Zeit, ihre alten Heizungen durch neue zu ersetzen, sonst drohen hohe Bußgelder.

Dürfen neue Öl- und Gasheizungen noch eingebaut werden?

Im Koalitionsvertrag hatte die Ampel-Regierung eigentlich festgelegt, dass ab 2025 alle neu eingebauten Heizungen mit einem Mindestanteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diesen Termin wollen die Koalitionäre nun auf den Januar 2024 vorziehen. Über das im Juli vorgestellte Konzeptpapier soll bis Ende des Monats diskutiert werden. Der Einbau reiner Öl- oder Gasheizungen wäre dann grundsätzlich ab 2024 verboten.

Einem Komplettverbot für Gas- und Ölheizungen entspricht das aber nicht. Bereits installierte Heizungen dürften auch nach 2024 weiter betrieben werden, außer es handelt sich um ältere austauschpflichtige Heizungen.

Bis 2045 sollen aber alle heizungstechnischen Anlagen vollständig auf die Erneuerbaren umgestellt werden. Und auch die Nutzungsdauer der bestehenden Heizungen soll schrittweise von 30 auf 20 Jahre begrenzt werden. Rund die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland werden aktuell noch mit Gas beheizt.

Welche Förderungen gibt es für den Austausch alter Heizungen?

Bis zuletzt wurde der Einbau neuer Gashybrid- und Gas-Brennwertheizungen (Renewable-Ready-Heizungen) mit bis zu 40 Prozent gefördert. Ab dem 15. August ist damit aber Schluss: Dann wird die Förderung sämtlicher gasbetriebenen Heizungsanlagen eingestellt. Ende Juli ist eine entsprechende Änderung in Kraft getreten. Wer seine Ölheizung durch eine Gashybrid-Heizung ersetzen will, erhält also nur noch bis zum 14. August einen Zuschuss vom Staat.

An wen muss man sich für eine Förderung wenden?

Beantragen müssen Hauseigentümer die Mittel beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Auf der Internetseite können die Antragsteller ihren Bearbeitungsstatus regelmäßig einsehen. Die staatlichen Fördergelder werden unter der Bundesförderung für effiziente Gebäude, kurz BEG, zusammengefasst.

Welche anderen Regeln gelten ab dem 15. August?

Der Staat fördert auch weiterhin Eigentümer finanziell, die ihre alten Heizungen durch klimaschonendere Alternativen ersetzen wollen. Die Fördersätze dafür sinken allerdings ab Mitte August deutlich um fünf bis zehn Prozent. Für Solarkollektoranlagen gibt es statt der bisherigen 30 nur noch 25 Prozent. Bisher lag der maximale Fördersatz für den Einbau einer Wärmepumpe bei 50 Prozent, ab Mitte August schrumpft er auf 40 Prozent bei einer Obergrenze von 60.000 Euro je Wohneinheit. Dann können Antragsteller maximal 24.000 Euro zurückerstattet bekommen im Vergleich zu 30.000 Euro zuvor.

Neu dagegen ist der sogenannte Heizungs-Tausch-Bonus in Höhe von zehn Prozent, der zusätzlich zum regulären Fördersatz gezahlt wird. Eigentümer erhalten damit eine Art Sonderprämie für das Umschwenken auf ressourcenschonende Heizungsalternativen. Der Bonus ersetzt damit die bisherige Austauschprämie für Ölheizungen. Er wird dann gezahlt, wenn noch intakte Öl-, Kohle- und Nachtspeicherheizungen ausgewechselt werden. Als Voraussetzung für den Bonus beim Austausch von Gasheizungen gilt, dass diese älter als 20 Jahre sein müssen. Die alten Anlagen stehen laut Wirtschaftsministerium besonders im Fokus der Maßnahmen, da sie viel Energie verbrauchen.

Eigentümer können darüber hinaus im Zeitraum bis zum 14. August nur noch einen Antrag auf Förderung bei der BAFA einreichen. Dieser kann jedoch mehrere Fördermaßnahmen enthalten.

Warum wurden die Fördersätze gesenkt?

Das Bundeswirtschaftsministerium will die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl verringern - und den Energieverbrauch senken, damit zugleich für mehr Klimaschutz sorgen. Die Fördersätze seien gesunken, damit die Zuschüsse mehr Menschen zur Verfügung stehen. "In Zukunft bekommt der oder die Einzelne etwas weniger an Förderung als vorher, aber dafür können viele Menschen von den Förderprogrammen profitieren. Das ist in Zeiten von hohen Energiekosten angezeigt", so Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). "Die allermeisten Menschen leben in älteren Häusern. Jetzt zu sanieren, Fenster auszutauschen, die Gasheizung rauszuwerfen - das hilft, um Kosten zu sparen."

Die Nachfrage nach der Förderung ist ungebrochen: Im gesamten vergangenen Jahr wurden bundesweit acht Milliarden Euro für die energetischen Sanierungen ausgegeben. Schon in der ersten Jahreshälfte 2022 wurde dieser Betrag übertroffen, allein bis zum Juli wurde für die Sanierungsförderung 9,6 Milliarden Euro gezahlt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2022 um 23:45 Uhr.