Ein junger Mann trägt in einer Stadtbahn eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2 | dpa

Sichere Masken Heiß begehrt und oft ausverkauft

Stand: 20.01.2021 12:58 Uhr

In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen müssen demnächst die besser schützenden FFP2- oder OP-Masken getragen werden. Doch gibt es überhaupt genug davon? Was kosten sie - und wie ist die Schutzwirkung?

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Ob auf der Straße, im ICE oder beim Einkaufen: Immer mehr Menschen tragen die spitz zulaufenden, weißen FFP2-Masken, um sich und andere vor den Corona-Viren zu schützen. Außer in Bayern reichen in den den anderen Bundesländern nach den jüngsten Beschlüssen des Corona-Gipfels auch sogenannte OP-Masken oder Masken der Standards KN95/N95.

Die von der bayerischen Landesregierung angeordnete Pflicht zum Tragen solcher Masken hat bundesweit einen regelrechten Run auf diese Artikel ausgelöst. Mit der Folge, dass FFP2-Masken oftmals ausverkauft sind. Zumindest in vielen Märkten der dominierenden Drogerieketten fehlen sie seit Tagen im Sortiment oder sind nach kurzer Zeit vergriffen.

Im Onlineshop vergriffen

Auch im Onlineshop der Kette dm waren am Mittwochvormittag keine FFP2-Masken erhältlich. "Derzeit online nicht lieferbar", werden die Kunden gewarnt. Auch bei Konkurrent Rossmann sind FFP2-Masken online nicht verfügbar. Wer auf der Webseite nach FFP2 Masken sucht, bekommt ein Angebot für ein Fünfer-Pack zu 10,00 Euro. Beim Versuch, den Kauf abzuwickeln, erscheint jedoch der Hinweis: "Leider ist dieser Artikel zurzeit ausverkauft."

Was also tun? In den meisten Apotheken sind die begehrten Produkte nach Branchenangaben noch vorrätig. Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch, er habe keine Erkenntnisse darüber, dass es bei FFP2- oder vergleichbaren Masken in Deutschland aktuell zu Versorgungsengpässen komme.

Allerdings müssen die Kunden dafür zumindest in Apotheken teilweise tief in die Tasche greifen. In Frankfurt am Main etwa verlangen Apotheker zwischen drei und sechs Euro für eine einzelne FFP2-Maske. Ähnlich sieht es Medienberichten zufolge in anderen Großstädten aus.

Seit es die Berechtigungsscheine für Seniorinnen und Senioren sowie Risikopatienten gebe, sei die Nachfrage nach FFP2-Masken erheblich gestiegen, sagt eine Frankfurter Apothekerin. Man habe deshalb schon im Dezember mehr Masken bestellt. Doch die seien auch beim Zwischenhändler teurer geworden.

Apothekerverband warnt vor steigenden Preisen

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hatte bereits vor den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern vor steigenden Preisen für FFP2-Masken gewarnt. "Eine denkbare FFP2-Maskenpflicht für alle Bundesbürgerinnen und -bürger würde eine stark erhöhte Nachfrage bedeuten, die im Markt zu erhöhten Preisen führen könnte", sagte die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening der "Rheinischen Post". Das Tragen von FFP2-Masken wird zwar nun nicht zwingend, doch in Erwartung einer derartigen Entscheidung sind die Preise schon im Vorfeld in die Höhe geschossen.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Dem Branchenverband zufolge haben sich die Apotheken, im Gegensatz zu den Drogeriemärkten, auf die wachsende Maskennachfrage eingestellt. "Bislang haben es die Apotheken in einem großen Kraftakt geschafft, viele Millionen FFP2-Masken für weit mehr als 30 Millionen ältere und chronisch kranke Menschen mit Berechtigungsschein zu beschaffen - und sind zuversichtlich, dies auch weiterhin zu bewältigen", sagte die ABDA-Präsidentin.

Tatsächlich stehen Bundesbürger, die bereits Gutscheine von ihrer Krankenversicherung bekommen haben, zunächst besser da. Sie erhalten zwölf FFP2-Masken und müssen für je sechs Masken nur 2,00 Euro zuzahlen. Laut Bundesgesundheitsminister Spahn sollen 34,1 Millionen Bürger von dieser Regelung profitieren.

OP-Masken deutlich billiger

Deutlich billiger als die FFP2-Masken sind die sogenannten OP-Masken. Sie sind bereits für 50 Cent das Stück zu kaufen, haben allerdings auch eine geringere Wirksamkeit. Sie schützen vor allem andere Menschen vor Tröpfchen des Mundschutzträgers, Aerosole filtern sie nicht. Allerdings müssen auch diese Masken bestimmte Anforderungen erfüllen: So bestehen sie in der Regel aus drei Lagen Kunststoff-Vlies. Damit haben sie eine höhere Schutzwirkung als Alltagsmasken aus Stoff, die keiner Normierung in Hinblick auf ihre Wirkung unterliegen.

Allerdings handelt es sich bei OP-Masken um Einwegprodukte, die grundsätzlich nur zum einmaligen Tragen gedacht sind. Für den privaten Bereich im Alltag könne die Maske aber auch öfter benutzt werden, etwa für den Einkauf oder die Fahrt zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr, heißt es vom TÜV-Verband.

"Nach 75 Minuten Pause einlegen"

Deutlich wirksamer sind die ebenfalls aus Vlies gefertigten FFP2-Masken. Sie bieten den Fremd- und Eigenschutz, neben einem Schutz vor Tröpfchen müssen sie auch mindestens 94 Prozent der bei der Verbreitung der Coronaviren zentralen Aerosole aus der Atemluft filtern. Noch besser sind FFP3-Masken, die sogar 99 Prozent der Aerosole filtern. In der Regel besitzen sie zusätzlich elektrostatisches Material, an dem kleine Partikel gebunden werden.

Aber auch diese Masken haben eine begrenzte Haltbarkeit. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, nach 75 Minuten mit einer FFP2-Maske eine 30-minütige Pause einzulegen, "um die Belastung eines Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand zu minimieren". Zudem bemängeln Kritiker die etwas kompliziertere Handhabung. So müssen FFP2-Masken optimal angelegt sein, damit sie die Verbreitung von Aerosolen stoppen und damit ihre erwiesenen Vorteile ausspielen. Schon ein Bart könne zu Lücken führen, durch die Aerosole strömen.

Auch die Wiederverwendbarkeit der Masken ist begrenzt. OP-Masken können bei trockener Hitze - also etwa im Backofen - zwischen 65 und 70 Grad Celsius desinfiziert und dann mehrmals verwendet werden. FFP2-Masken können nach einer Studie der Fachhochschule Münster entweder eine Stunde bei konstant 80 Grad desinfiziert werden oder durch Trocknung über sieben Tage bei trockener Raumluft.

Hersteller aus China und den USA

Einer der weltgrößten Hersteller von Masken ist der chinesische Mischkonzern BYD, der auch Elektroautos herstellt. BYD produziert nach eigenen Angaben allein in seiner Fabrik im südchinesischen Shenzhen täglich fünf Millionen Masken und 300.000 Flaschen Desinfektionsmittel.

Auch der US-Konzern 3M, die Minnesota Mining and Manufacturing Company, gehört zu den größten Herstellern von Atemschutzmasken. Vor allem FFP2-Masken, die für den Einsatz in Krankenhäusern und für Pflegekräfte zugelassen sind, werden derzeit von den Amerikanern produziert. Im vergangenen Jahr waren es nach Konzernangaben zwei Milliarden Stück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Janurar 2021 um 11.00 Uhr sowie Deutschlandfunk am 20. Januar 2021 um 15:00 Uhr.