Ein Mitarbeiter eines Elektromotoren- und Ventilatorenherstellers arbeitet in der Produktion an einem Ventilator.  | dpa

Neues Zuwanderungsgesetz Heil will Fachkräfte mit "Chancenkarte" locken

Stand: 04.09.2022 10:47 Uhr

Mit mehr Zuwanderung gegen den Fachkräftemangel: Arbeitsminister Heil hat ein Punktesystem angekündigt, über das Menschen einfacher zum Arbeiten nach Deutschland kommen können. Ein neues Zuwanderungsgesetz will Heil im Herbst vorlegen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat Pläne für eine einfachere Zuwanderung von ausländischen Fachkräften nach Deutschland konkretisiert. "Wir brauchen mehr Einwanderung. Dafür wird die Ampel im Herbst ein modernes Einwanderungsgesetz vorlegen", sagte Heil der "Bild am Sonntag" (BamS) laut einem Vorabbericht. "Wir führen eine Chancenkarte mit einem transparenten Punktesystem ein, damit Menschen, die unser Land braucht, einfacher zu uns kommen können."

Regierung will jährlich Kontingent festlegen

Die "Chancenkarte" funktioniert laut Heil folgendermaßen: "Wir legen Jahr für Jahr, entsprechend unserem Bedarf, ein Kontingent fest, wie viele Menschen mit der Chancenkarte nach Deutschland kommen dürfen, um sich hier für eine bestimmte Zeit einen Job oder eine Ausbildung zu suchen. Für diese Zeit müssen sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können."

Wer einen von Deutschland anerkannten Abschluss, egal ob Ausbildung oder Studium, vorweisen könne, erfülle sofort die Bedingung für die "Chancenkarte". "Wir wollen aber auch Menschen, die andere Stärken haben und die wir am Arbeitsmarkt brauchen, eine Chance geben, nach Deutschland zu kommen", so der Minister.

Dafür soll nach Informationen der Zeitung ein Punktesystem eingeführt werden, das vier Kriterien umfasst: ein ausländischer Abschluss, eine Berufserfahrung von mindestens drei Jahren, Sprachkenntnisse oder ein Voraufenthalt in Deutschland und viertens ein Alter unter 35 Jahren.

Wer drei der vier Kriterien erfülle, soll die "Chancenkarte" bekommen. Ihre genaue Ausgestaltung wird aber noch innerhalb der Regierung abgestimmt.

Erwerbsquote von Frauen erhöhen

Heil will den Fachkräftebedarf aber auch auch mit gezielter Aus- und Weiterbildung der Menschen, die bereits in Deutschland leben, sowie mit mehr Frauen in Arbeit decken. "Wir wollen den Erwerbsanteil bei Frauen steigern, der mit 72,1 Prozent immer noch rund sieben Prozentpunkte unter dem der Männer liegt", sagte Heil. "Könnten wir diese Lücke halbieren, hätten wir schon 900.000 Arbeitskräfte gewonnen."

Beim Thema Fachkräftemangel sieht die Wirtschaft dringenden Handlungsbedarf. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander warnte ebenfalls in der "BamS", der Fachkräftemangel bedrohe "unseren gesellschaftlichen Wohlstand wie früher die Massenarbeitslosigkeit".

Zwei von fünf Betrieben in der Metall- und Elektroindustrie klagten über Produktionsbehinderungen wegen fehlender Fachkräfte. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks meldet derzeit rund 250.000 fehlende Fachkräfte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2022 u.a. um 03:00 Uhr und 07:00 Uhr in den Nachrichten.